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December

2019

3 Jahre Ökumene in Regler - Predigtteil Bruder Jeremias

Während der Predigt am 1. Advent

Die Lesung aus dem Römerbrief 13,8-13 war für Augusti­nus von großer Be­deutung, besonders der 13. Vers: Sie leitete eine der wichtigsten Wen­den seines Le­bens ein. Nach ihrer Lektüre brach der innere Widerstand, der ihn – so sagt er selbst – quasi schlaftrunken lange Zeit murmeln ließ: „Warte, nur noch ein Weilchen, bald!“ Aber dieses „bald“, so sagt Augustinus, zog sich immer wei­ter in die Länge...

Dann aber hörte er die Stimme eines Kindes im Nachbargarten singen: „Nimm und lies!“ – immer wieder. Da greift Augustinus zum Römerbrief, der auf einem Tisch liegt, und schlägt ihn just an der Stelle auf, an der seine Augen die Verse lesen: „Lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und an­legen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Neid; sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt.“ So kernig übersetzt das Martin Lu­ther. Damit setzt Augustinus einen neuen Anfang!

Die Entschiedenheit, die Paulus fordert, lässt Augustinus aufste­hen und reinen Tisch machen. Er meldet sich zur Taufe, beendet seine grandiose Karriere am kaiserlichen Hof zu Mailand und wird tatsächlich ein gutes Jahr später von Bischof Ambrosius in der Mailänder Basilica Pacis im Wasser der Taufe mit dem neuen Leben in Christus übergossen.

Was heißt das für die Ökumene, die wir nun schon drei Jahre lang miteinander in Regler probie­ren? Zunächst: Die Taufe ist es, die uns verbindet. Es ist die eine Taufe, die uns verbindet und in der wir in das Leben Gottes eingetaucht wurden. Sie ist der An­fang unseres Weges mit dem einen Christus. Sie lässt uns Men­schen sein, die etwas mit Gott anzufangen wissen und die immer wie­der neu mit Gott anfangen.

Das zweite zeigt sich für mich in der Entschiedenheit, mit der Au­gustinus nun sein Christsein leben wird. Er stellt sich so in den Dienst der Kirche, wie er es sich eigentlich nicht wünscht. Er muss ler­nen, die eigenen Gottes Plänen unterzuordnen, als er das Amt des Presbyters und Bischofs über­nimmt. Dann aber wid­met er seine ganze Kraft der Einheit der Kirche.

Die in Nordafrikas seinerzeit in zwei Teile zerrissen war. Zwar war man sich immer einig, dass es nur eine einzige Kirche Jesu Christi geben könne. Daher versuchte man historisch zu klären, welche der beiden Kirchen sozusagen die ursprüngliche sei.

Dass dieses Unterfangen ziemlich mühsam und kaum zielführend war, mag man sich denken. Au­gustinus bringt nun einen anderen Aspekt ein und argumentiert theologisch: Für die Einheit, um die Jesus im Abendmahlsaal betet, müssen wir alles in unserer Macht stehende tun, damit Einheit wachsen und schließlich von Gott her geschenkt werden kann. Es braucht die Liebe, die Unter­schiede überwinden und verbinden hilft.

Die Liebe aber entsteht nicht einfach so. Sie muss Raum bekom­men. So rät Augustinus, möglichst viel zusammen zu machen: miteinander beten, singen und Gott loben, die Heilige Schrift le­sen, dis­kutieren und sich begegnen, für die Armen und Kranken sorgen... Kurz: möglichst viel gemeinsam tun! Denn im gemein­sam­en Tun entwickelt sich die Liebe. Und sie nährt die Sehnsucht nach der vollen Einheit. Dafür ist Augustinus sogar be­reit, seinen Bischofsstuhl dem Gegenbischof zu über­lassen, damit auch das Bischofsamt wieder Zeichen der Einheit werden könne.

Ich denke, wir setzen von Augustins Ratschlägen schon sehr viele um in Regler. Und wir spüren, dass unsere Sehnsucht nach noch mehr Einheit in den vergangenen drei Jahren tatsächlich ge­wach­sen ist – ganz wie Augustinus das vermutete. Am Ende ist die Einheit aber nicht das, was wir machen. Die Einheit ist Gabe des Hl. Geistes, dem wir Raum geben müssen: den Raum der Liebe!

Konkret heißt das: Liebe ist nicht einfach Harmonie. Liebe fordert uns immer wieder neu. Liebe will, dass der andere ist. Wenn wir Katholiken euch Evangelische katholisch machen wollten, zer­störten wir diesen Raum der Liebe. Es gilt ja zu sagen zu dem Schatz, den ihr der Kirche geschenkt habt und bis heute schenkt: die Treue zur Heiligen Schrift etwa, von der wir inzwi­schen viel ge­lernt und uns abgeguckt haben; bei euch bedeutet der soziale Dienst an den Menschen gleich viel wie der Gottesdienst: Ja, im Nächstendienst ist Gottesdienst! In der Musik, die in euren Kir­chen so sehr gepflegt wird: Jetzt verstehe ich, warum man J.S. Bach den „fünften Evangelisten“ nennt...

Umgekehrt möchte ich euch raten: Hört auf, abfällig von uns zu reden, wenn wir die Heiligen ver­ehren; uns ist die „Gemeinschaft der Heiligen“ wichtig, von denen wir doch gemeinsam im Glau­bensbekenntnis reden; ist es wirklich so unverständlich, dass wir uns mit denen, die vor uns ge­glaubt haben, noch immer verbun­den wissen und uns vorstellen können, dass in der Gemeinschaft der Heiligen einer dem anderen hilft? Hört auf, uns Katholiken als die Rückständigen hinzustellen, wenn wir treu an der Überlie­ferung festhalten wollen.

Das Maß der Liebe bin nicht ich! Immer ist Maß zu nehmen an meiner Bereitschaft, den anderen in seiner Eigenart verstehen zu wollen. Der andere bestimmt, was geht und in welchem Tempo! Wir dürfen nicht schlecht voneinander reden: Das zerstört die Liebe und die Sehnsucht nach mehr Ein­heit. Augustinus würde vielleicht sagen: Das treibt den Heiligen Geist von uns fort.

Der kernige Vers 13, der zum letzten Tropfen wurde, der das Fass zum Überlaufen brachte und Au­gustinus zur Taufe führte, ist ja vor allem ein eindringlicher Ruf, neu anzufangen: Nicht mehr als Ich-bezogener Egoist, der sich und seine Vorstellungen zum Maß aller Dinge macht, sondern als Mensch, der Christus angezogen hat. Christus aber hat für andere gelebt und sein Leben für uns hingegeben.

Jeremias

22

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November

2019

Abschied von unserem Nachbarkonvent: Nach 155 Jahren verlassen die Augustiner Germershausen im Untereichsfeld

Freude und Trauer liegen manchmal eng beisammen. Nur elf Tage nach der Konventsgründung in Erfurt müssen die Augustiner sich verabschieden: noch dazu von einem in unserer Geschichte sehr wichtigem Ort. Das kleine Kloster in Germershausen im Untereichsfeld steht nun leer. Die Geschichte der Augustiner im Dorf endete nach 155 Jahren. Ein Gottesdiest zum Abschied: mit Trauer, aber mit noch viel mehr Dankbarkeit für all das, was gewachsen ist.

Das "Göttinger Tagesblatt" schrieb dazu am 25. November einen längeren Artikel: 

Artikel im Göttinger Tageblatt zum Abschied der Augustiner aus Germershausen (Untereichsfeld).

Ein kleines Video dokumentiert den Schlusssegen von Pater Provinzial Luas Schmidkunz OSA am Ende der Messfeier sowie die Rede der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Donata Bode:

Jeremias

20

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November

2019

Buß- & Bettag | Abschluss der Friedensdekade

Br. Damian bei der Predigt.

Buß- und Bettag 2019:

Zum Abschluss der Ökumenischen Friedensdekade unter dem Motto "friedensklima" gab Br. Damian Link OSA in Regler seinen Einstand als Prediger. Zum Ökumenischen Gottesdienst war eine große Gemeinde im Hohen Chor versammelt. Es mussten sogar noch zusätzliche Stühle herbeigetragen werden.

Predigttext war das Gleichnis Jesu vom reichen Kornbauern Lk 12,16-21.

Br. Damian mit Werner Anisch und Pfarrerin Gabriele Lipski am Altar.

Jeremias

12

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November

2019

„Was ist schön ohne Freunde?“

Augustinus und die Freundschaft
Vortrag zum 1665. Geburtstag des hl. Kirchenlehrers und Ordensvaters Augustinus (354–430)
Referent: Bruder Dr. Christian Rentsch OSA (München | Maria Eich)

Augustinus war nicht nur ein brillanter Theologe und Bischof. Die eigene Sinnsuche prägte seine Spiritualität nachhaltig. Immer in engem Austausch mit anderen war ihm klar, dass er nicht zum Eremiten taugte. Vielmehr sah er in der Freundschaft die Möglichkeit einer Weggemeinschaft, in der die Sehnsucht nach Gott und mehr Tiefe im Leben am besten aufgehoben ist.  


Br. Christians Textsammlung während seines Vortrags: Augustinus zum Thema Freundschaft
Text 1: Bekenntnisse 2,7

Hals über Kopf ging ich in großer Blindheit so weit, dass ich mich vor meinen Altersgenossen schämte, wenn ich minder schändlich gelebt hatte als sie, weil ich sie mit ihren Vergehen prahlen und umso mehr Rühmens davon machen hörte, je schändlicher sie waren: So verführte mich nicht nur die Lust an der Tat, sondern auch die Lust, gelobt zu werden. … Wo ich es den Verworfenen nicht gleichtun konnte, gab ich vor, die Untat begangen zu haben, damit ich nicht desto verächtlicher erschiene, je unschuldiger ich war, und um nicht für desto geringer zu gelten, je reiner ich war.

Text 2: Bekenntnisse 2,16

Nun freilich: Allein hätte ich’s nicht getan … nein, ich hätte es allein gewiss nicht getan. Also liebte ich damals auch das Zusammengehen mit Schuldgenossen meiner Tat … Denn hätte ich damals die Früchte geliebt, die ich stahl, … so hätte ich, wäre das alles gewesen, die Sünde doch für mich allein begehen können, um meine Gelüste zu stillen, und hätte meine kitzelnde Begierde nicht erst im Anreiben an mitschuldigen Gewissen zu entflammen brauchen … Allein hätte ich diesen Diebstahl nicht begangen, bei dem mich nicht die Beute, nur das Stehlen lockte, und für mich allein zu stehlen, das hätte mich nicht im mindesten gelockt, und ich hätte es nicht getan. O Freundschaft, so feindlich!

Text 3: Bekenntnisse 2,2

Und was anderes war es denn, was mich erfreute, als zu lieben und geliebt zu werden?

Text 4: Predigt 87,12

Viel vermögen sowohl gute Freunde zum Guten als auch schlechte Freunde zum Schlechten!

Text 5: Bekenntnisse 4,11

Elend war ich und elend ist jedes Herz, das gefesselt ist durch die Freundschaft mit Vergänglichem. Von Schmerz wird es zerrissen bei seinem Verluste und fühlt dann das Elend erst, in dem es doch schon schmachtete, bevor es den Verlust erlitt … Der tiefste Ekel vor dem Leben und Todesfurcht wohnten nebeneinander in meiner Seele. Ich glaube, je mehr ich den Freund liebte, desto mehr hasste und fürchtete ich den Tod, der ihn mir entrissen hatte, als meinen bittersten Feind.

Text 6: Bekenntnisse 4,13

Hatte mich jener Schmerz nicht deshalb so leicht und so bis ins Innerste durchdrungen, weil ich meine Seele gegründet hatte auf Sand, da ich einen Sterblichen liebte, als würde er niemals sterben?

Text 7: Bekenntnisse 4,13

Am meisten tröstete und ermunterte mich der Trost meiner Freunde, mit denen ich liebte, was ich statt deiner liebte: der Manichäer große Fabel und lange Lüge nämlich … Andere Dinge aber waren es, die an den Freunden den Geist stärker anzogen: miteinander plaudern und miteinander lachen, sich einander gefällig erzeigen, gemeinsam schöne Bücher lesen, gemeinsam scherzen und sich Artigkeiten sagen, bisweilen Meinungsverschiedenheiten austragen ohne Hass, wie der Mensch wohl selbst mit sich selbst einmal uneins ist, und so durch diese seltene Uneinigkeit die sonst herrschende Eintracht würzen; einander belehren und voneinander lernen, die Abwesenden schmerzlich vermissen, die Kommenden herzlich begrüßen; durch solche und ähnliche Zeichen, die bei Liebe und Gegenliebe sich äußern in Miene und Wort, im Auge und in tausend freundlich lieben Gebärden, wie durch immer neuen Zunder die Herzen in warme Bewegung setzen und aus vielen Eines machen.

Text 8: Über 83 verschiedene Fragen 81,6

Von dem können wir sagen, dass er in die Freundschaft aufgenommen ist, dem gegenüber wir alle unsere Gedanken auszuschütten wagen.

Text 9: Brief 143,3

Mir gefällt es nicht, wenn ich von meinen vertrautesten Freunden für etwas gehalten werde, was ich nicht bin.

Text 10: Brief 93,4

Nicht jeder, der schont, ist ein Freund, nicht jeder, der tadelt, ein Feind. Besser sind die Wunden eines Freundes als die vorsätzlichen Küsse eines Feindes. Es ist besser, mit Strenge zu lieben, als mit Nachgiebigkeit zu täuschen.

Text 11: Bekenntnisse 9,6

Nun lebt er in Abrahams Schoß. Was es auch ist, was mit diesem Schoße gemeint ist, dort lebt Nebridius, mein teurer Freund, den du, Herr, als Freigelassener zu deinem geistlichen Kinde angenommen hast; ja dort lebt er. Denn welchen andern Ort gäbe es für solch eine Seele? Dort lebt er, worüber er mich armen, unwissenden Menschen viel fragte. Er neigt nicht mehr sein Ohr zu meinem Munde, sondern den Mund seines Geistes an deine Quelle und trinkt in durstendem Verlangen Weisheit, selig ohne Ende. Doch glaube ich nicht, dass er so sehr davon trunken werde, dass er meiner vergessen könnte, da auch du, Herr, der du sein Trank bist, meiner gedenkest.

Text 12: Auslegungen zum 1. Johannesbrief 9,10

Soll das etwa heißen: Wer seinen Bruder liebt, der liebt auch Gott? Ja! Notwendigerweise liebt er Gott, notwendigerweise liebt er die Liebe … Wie also? Wer die Liebe liebt, liebt darum Gott? Ja, genau darum! In der Liebe zur Liebe liebt der Mensch Gott. Oder hast du vergessen, was du gerade noch bekannt hast: ‚Gott ist die Liebe‘? Wenn Gott die Liebe ist, dann liebt jeder, der die Liebe liebt, Gott. Liebe also deinen Bruder, dann sei unbesorgt. Du kannst nicht sagen: Ich liebe meinen Bruder, aber Gott liebe ich nicht … Es liebt jeder notwendigerweise Gott, der seinen Bruder liebt.

Text 13: Auslegungen zum 1. Johannesbrief 5,7

Wo ist der Ort, uns [in die Gottesliebe] einzuüben? Die Bruderliebe ist es! Du kannst mir sagen: Ich habe Gott nicht gesehen. Kannst Du mir sagen: Ich habe den Menschen nicht gesehen? Liebe deinen Bruder! Denn wenn du den Bruder, den du siehst, liebhast, dann wirst du zugleich Gott sehen; denn du wirst die Liebe selbst sehen, und in ihr wohnt Gott.

Text 14: Brief 73,10

Ich bekenne es: In die Liebe meiner vertrautesten Freunde lasse ich mich mit meinem ganzen Ich fallen, vor allem, wenn ich von den Widerwärtigkeiten dieser Welt erschöpft bin, und in dieser Liebe ruhe ich sorglos. Ich fühle ja, dass da Gott wohnt, und in ihn lasse ich mich sicher fallen und in ihm bin ich in sorgloser Ruhe. Und in dieser Ruhe fürchte ich auch überhaupt nicht die Unsicherheit des Morgen in seiner menschlichen Hinfälligkeit. Wenn ich nämlich einem Menschen, der in der christlichen Nächstenliebe brennt und von dem ich spüre, dass er ein treuer Freund geworden ist, etwas von meinen Plänen oder Gedanken anvertraue, dann vertraue ich es letztlich gar nicht diesem Menschen an, sondern dem, in dem dieser Mensch seine Bleibe hat und weshalb er so ist, wie er ist: Gott. Denn Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott.

Jeremias

11

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November

2019

Wie Martin den Mantel teilen sie die Kirche

Messe mit Bischof Dr. Ulrich Neymeyr in Regler zur Konventsgründung

Schon wochenlang spürte man Aufregung und Vorfreude bei den Augustinern. Am Tag des heiligen Martin wurde nach sechs Jahren das „Projekt Erfurt“ in einen „kanonisch errichteten Konvent“ überführt.

Derzeit leben drei Augustiner in Erfurt nach der Klosterregel des heiligen Augustinus (354–430), der 396 Bischof von Hippo (heute Algerien) wurde. Heute zählt der Orden der Augustiner in Deutschland rund 50 Mitglieder, weltweit sind es etwa 2200.

Als das Projekt in Erfurt 2014 startete, fanden die Brüder eine Mietswohnung ausgerechnet im Haus der evangelischen Reglergemeinde. Was zunächst nur als befristete Lösung gedacht war, bekam 2016 ein neues ökumenisches Gewicht. Am Vorabend des Reformationsgedenkjahres bot der Gemeindekirchenrat den Augustinern an, Reglerkirche und Gemeindehaus künftig gemeinsam und gleichberechtigt zu nutzen.

Seit Advent 2016 finden in der Kirche nunmehr evangelische und katholische Gottesdienste statt. Eine Reihe von Festen werden während des Kirchenjahres inzwischen gemeinsam gefeiert. Bibelkreise, der alljährliche Fastenkurs, Vorträge, Wallfahrten und Einkehrtage sind im gemeinsamen Jahresprogramm angeboten. Viele Veranstaltungen stehen auch suchenden Menschen ohne Konfession offen. Eine bunte Vielfalt, die alle bereichert, auch wenn jeder seinen eigenen (Glaubens-)Weg geht.

Begrüßung durch Br. Jeremias. GKR-Vorsitzender Uli Oelze trug die Lesung vor.

Zum diesjährigen Martinsfest wurde nun das Projekt „Augustiner in Erfurt“ aufgewertet und der Konvent „St. Martin von Tour in Erfurt“ kanonisch, also kirchenrechtlich, errichtet. Der Abendmesse in der Reglerkirche stand der Erfurter Bischof Dr. Ulrich Neymeyr vor. Pater Provinzial Lukas Schmidkunz OSA aus Würzburg verlas nach der Predigt des Bischofs das Dekret des Generalpriors der Augustiner, des Spaniers Pater Alejandro Moral Antón OSA, und überreichte dem künftigen Prior der Gemeinschaft, Bruder Jeremias Kiesl OSA, das neue Konventssiegel.

P. Provinzial Lukas Schmidkunz OSA verlas die Urkunde und überreichte das Konventssiegel.

Bewusst wurde der hl. Martin zum Patron des Erfurter Konventes bestimmt, ist er doch seit alter Zeit auch der Stadtpatron Erfurts. Bischof Neymeyr verwies ferner auf den Erfurter Augustiner und Reformator Martin Luther, der den Namen des Bischofs von Tours an seinem Tauftag erhalten habe. Im Zusammenhang der Konventsgründung in einer evangelischen Pfarrkirche Erfurts müsse dies besonders erwähnt werden.  

Eigentlich sollte der Gottesdienst im schlichten Rahmen im Hohen Chor der Kirche gefeiert werden, wo auch sonst die tägliche Abendmesse der Augustiner stattfindet. Doch drei Tage vorher war klar, dass dieser Gottesdienst den üblichen Rahmen bei weitem sprengen würde. Es kamen trotz des Werktags so viele Erfurter beider Konfession, außerdem Ordensleute, Angehörige und Freunde der Augustiner bis aus Bayern und Sachsen, dass die gesamte Kirche gut gefüllt war.

Sabine Lindner mit der Harfe

Der Kirchenchor der evangelischen Reglergemeinde gestaltete den Gottesdienst musikalisch mit einer Rheinberger-Messe. Die Erfurter Harfenistin Sabine Lindner sang das „B'schem“, ein jüdisches Segenslied.

Grußwort des Lions-Club Weiden/OPf.

Am Ende standen Grußworte von Pfarrerin Gabriele Lipski und einer Abordnung des Lions-Clubs Weiden in der Oberpfalz, die den Augustinern trotz ihres Weggangs 2010 eng verbunden geblieben sind. Pfarrerin Lipski betonte, dass in Regler zwar kein Mantel geteilt werde, wohl aber Gebet und Gemeinschaft Ausdruck von Einheit in Vielfalt geworden seien. Die große Zahl katholischer und evangelischer Christen in diesem besonderen Gottesdienst zeige, dass hier eine Vision gelebter Ökumene wahr geworden sei, von der man kaum zu träumen gewagt hätte.

Nach der Messe konnten viele im Seitenschiff der Kirche weiter ihrer Freude Ausdruck verleihen und bei einer Begegnung mit Münnerstädter Klosterbier auf den kleinen Konvent anstoßen.

Bischof Dr. Ulrich Neymeyr hatte bereits im Vorfeld seine Zustimmung zur Errichtung des Konventes gegeben. Auch in seiner Predigt würdigte er das außerordentliche ökumenische Engagement. Im Gottesdienst entbot er mit allen anwesenden Augustinern den Brüdern des neuen Konventes den Friedensgruß und brachte seine besten Segenswünsche für die Gemeinschaft zum Ausdruck.  

Diakon Dietmar Niesel trug das Evangelium vor. Anschließend hielt Bischof Ulrich die Predigt.

Die letzte Gründung eines Konvents der Augustiner liegt bereits 50 Jahre zurück. Außerdem ist nun erstmals eine Niederlassung in den Neuen Bundesländern und in der Diaspora errichtet worden.

Gottes Segen begleite die Augustiner-Brüder Pius, Jeremias und Damian weiterhin bei ihrer Arbeit und in ihrem alltäglichen Leben.

Die Regler-Singschar gestaltete die Messe musikalisch. - Zur Gabenbereitung wurde die Konventskerze entzündet.



Autoren: Nicole Elß und Br. Jeremias Kiesl OSA

Nic Elß