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June

2020

Mittagsgebet in der Reglerkirche zu Erfurt mit Br. Pius OSA

Auch heute hat wieder Br. Pius das Mittagsgebet in der Reglerkirche gestaltet.

Pius

1

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June

2020

Regler-Gemeindebrief Juni 2020 ist online

Der neue Gemeindebrief von Regler greift das Dreifaltigkeitsfest (Trinitatis) auf. Auch Br. Jeremias ist Autor in dieser Ausgabe. Hier der Link zur Homepage der Reglergemeinde, mit dem der Gemeindebrief digital heruntergeladen werden kann: 

Gemeindebrief_Juni20.pdf

Jeremias

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May

2020

Pfingsten 2020: Nachprimiz von P. Ralph Heiligtag, Oratorium St. Josef (Ingolstadt), in der Reglerkirche

Am Vorabend des Hochfestes Pfingsten wurde uns ein besonderes Geschenk zuteil. P. Ralph Heiligtag, der am 2. Mai in Eichstätt im kleinsten Kreis von Bischof Gregor Maria Hanke OSB zum Priester geweiht worden war, besuchte am Pfingstwochenende Erfurt. Kurzfristig ergab sich die Möglichkeit, dass er in der Reglerkirche die Abendmesse mit uns feierte und den Primizsegen spendete. Es war seine erste Messe in Thüringen, wo er sieben Jahre lang zu Hause war, und die erste Primiz nach über 500 Jahren in der Reglerkirche.

Ralph Heiligtag war als Opernsänger an das Erfurter Theater gekommen. Auf seine Initiative hin treffen sich bis heute Menschen verschiedener Konfession immer freitags um 15.00 Uhr zur Kontemplation vor dem Allerheiligsten in der Marienkapelle auf dem Domberg.

Zunächst im Freien angesetzt musste witterungsbedingt die Messe dann doch in den Hohen Chor der Reglerkriche verlegt werden.

Die musikalische Gestaltung lag in den Händen von Sabine Lindner, Ulrike Reimann, Esther Kirsch und Clara Sieber. Am Ende sangen Br. Damian und Br. Jeremias mit Sabine Lindner noch im Trio das "Conductus: Luto Carens et Latere". - Die Predigt hatte Br. Jeremias übernommen.

Hier könnt ihr diesen besonderen Pfingst-Gottesdienst noch einmal erleben: 

Predigt

Noch einmal führt uns der Evangelist Johannes zurück zum Oster­tag. Der Auferstandene war am Morgen Maria Magdalena erschie­nen. Ihre Bot­schaft aber konnten die Jünger nicht glauben. Schließ­lich waren Petrus und der Lieblingsjünger höchstpersönlich zum Grab ge­laufen: leer – sie hatten ihn nicht gefunden. Jetzt am Abend erst tritt der Auferstandene in die Run­de der zehn Apostel; ja, nur zehn, Judas fehlt aus bekannten Gründen, aber auch Thomas ist nicht da. Für ihn wird es nach acht Tagen einen weiteren Anlauf brauchen.

So ist das im Johannes-Evangelium: Man muss aufeinander warten. Selbst wenn einer oder eine mal die Nase vorn hat, heißt es doch wieder warten. Im Falle der Apostel ist es ein verschlossener War­teraum, in dem es wohl auch nach Angst riecht.

Man darf aufeinander warten. Das zahlt sich aus. Nun geht nie­mand mehr verloren: Alle empfangen Heiligen Geist. Thomas, der Nach­züg­ler, wird zum ersten, der den auferstandenen Jesus voll­umfänglich erkennt und be­kennt: „Mein HERR und mein Gott!“ (Joh 20,28)

Wo Gottes Geist ist, da ist Freude. Dennoch gehört auch der Schmerz dazu, dass die Einheit verloren geht, brüchig ist und noch allzu oft ver­misst wird. Wenn wir am Pfingstfest sagen, dass wir heu­te den Geburts­tag der Kirche feiern, so dürfen wir freilich die Her­ausforderung nicht über­sehen, die ge­rade darin liegt. Denn die Ein­heit, um die Christus im Abendmahls­saal ge­betet hatte (Joh 17), ist zerbrochen. Sie muss daher bis heute unser Gebet und unsere Sehn­sucht bleiben. Sie ist vor allem ein geistlicher Weg, der al­lerdings im Beisammen-bleiben oft unvermit­telt die Freude des Auferstand­enen schenkt, wenn ER in unserer Mitte erfahrbar wird. Im Hl. Geist, im Geist des gekreu­zig­ten und auferstande­nen HERRN, kön­nen wir uns schon jetzt über die Grenzen der Konfessio­nen hinweg ver­sammeln.

Für uns Katholiken ist eines Priesters vornehmste Aufgabe, die Ein­heit sei­ner Gemeinde zu suchen und nach Kräften zu fördern. Er soll helfen, dass die Gemeinde wahrhaft „Leib Christi“ ist und im­mer wieder neu wird. Er bringt also die Gemeinde in Verbindung mit Christus, etwa durch die Sakra­mente. Gerade darin erfährt der Priester aber auch selbst, wie sehr Chris­tus ihn hält. Etwa in der Eu­charistie: Ich halte die Hostie hoch, aber gerade darin erfahre ich, dass die versammelte Gemeinde mich hält, ja dass Chris­tus mir Halt gibt, dessen Leib auch diese konkrete Ge­meinde vor mir ist. Des­halb ist es für uns Katholiken so wichtig, das Mahl der Einheit zu fei­ern, Christus in unserer Mitte gegenwärtig zu erfahren.

Das ist freilich keine Abwertung anderer Formen. Wo immer sich Gemeind­e um Christus versammelt, da geschieht Eucharistie: Dankbare Vergegenwärt­igung des gekreuzigten Auferstandenen. Der Priester muss den Raum für Chris­tus weit offen halten: offen und weit, da­mit Men­schen unterschiedlichster Herkunft und Prägung teilhaben am Reich Got­tes, das prinzipiell allen offen steht. Denn Kirche ist von Beginn an welt­weit – international – allumfas­send (vgl.Apg 2,1-11).

Wo der Geist Christi ist, da ist Freude. – Der Auferstandene haucht die Jün­ger an. Er bläst ihnen den Odem des ewigen, göttlichen Le­bens ein. Am 8. Tag, dem Tag der Auferstehung, beginnt die neue Schöpfung Got­tes.

Am Ostertag bereits wird nach dem Johannes-Evangelium den Jün­gern der Heilige Geist geschenkt. Er ist verknüpft mit der Voll­macht der Sündenvergebung. – Damit habe ich einige Probleme. Denn mir fällt es schwer, allen zu vergeben. Ich spüre, dass die Ver­letzungen, die mir je­mand zugefügt hat, es mir schwer machen, zu vergeben. Der Schmerz macht mich ungnädig.

Umso spannender ist es, dass es auch bei der Begegnung des Aufer­stan­den­en mit den Jüngern um eine Geschichte der Verletzungen geht. Jesus war von allen verlassen und verraten worden. Nun aber steht er mitten unter ihnen. Er ist freilich kein Held aus Hollywood, dem kein Haar ge­krümmt wäre. Im Gegenteil: An den Wunden er­ken­nen ihn die Sei­nen. Kein Zweifel: Das ist der HERR!

Der Friede, den Jesus schenkt, macht den Schmerz nicht ungesche­hen. Die Wunden zu ignorieren oder zu verstecken funktioniert nicht wirklich. Sie müssen angesehen werden. Versöhnung ge­schieht über die Wund­male hinweg. – Wagen wir es, unsere Wun­den zu zeigen? Wage ich anzuerkenn­en, dass ich selbst die Ursache mancher Verlet­zung geworden bin?

Vielleicht ist es gar nicht zuerst ein Appell, den Christus formuliert, son­dern eine Aussage: „Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlas­sen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten” (Joh20,23). Mein Nicht-vergeben-kön­nen bleibt an mir haften, wie die Wun­den, die mich schmerzen. Erst wenn die Wunden in den Blick kä­men, könnte Heilung beginnen...

Schlusslied: Conductus "Luto carens et latere"

Am Hochfest Pfingsten konnten wir um 13.00 Uhr die Messe in ähnlicher Weise unter freiem Himmel im Kreuzgarten feiern. Auch alle Musikerinnen gestalteten den Gottesdienst nochmals mit. Die helle Freude!

Nachmittags um 16 Uhr kamen mehrere Familien im Kreuzgarten zum "Picknick-Gottesdienst" unter der Leitung von Franziska Eberhardt zusammen, um den "Geburtstag der Kirche" zu feiern und den Gaben des Heiligen Geistes nachzuspüren.

In Zukunft wird der "Picknick-Gottesdienst" vorraussichtlich alle 14 Tage stattfinden. Verschiedene Familien werden sich von nun an um diese Regelmäßigkeit bemühen. DANKE!

Am Pfingstsonntag versammelte sich auch unsere evangelische Partnergemeinde von Regler zum Gottesdienst: mit dem Regler-Posaunendienst und Pfarrerin Gabriele Lipski (Predigt):

Jeremias

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May

2020

Johann Sebastian Bachs Cello-Solo-Suiten 1-5 beim Mittagsgebet in Regler

Eugen Mantu, Solo-Cellist im Philharmonischen Orchester Erfurt, gestaltet eine Woche lang das Mittagsgebet mit Bachs Cello-Suiten

Die Woche vor Pfingsten (25-29. Mai 2020) war das Mittagsgebet in Regler gleichzeitig ein besonderer Ohrenschmaus. Eugen Mantu gestaltete das Gebet mit je einer der Cello-Suiten aus der Feder Johann Sebastian Bachs. Neben Pfarrerin Gabriele Lipski und Kantor Johannes Häußler gestaltete Bruder Pius an zwei Tagen den geistlichen Impuls mit der Bitte um den Heilige Geist.

Hier die Aufzeichnungen zum Nachhören und -sehen: 

Pius

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May

2020

7. Ostersonntag (A) Messe der Augustiner in Regler

Die Predigt hatte heute Dorothea Höck übernommen. Weiter unten findet ihr den Wortlaut der Predigt in Schriftform.

Hier der Gottesdienst unserer Partner, der Ev. Reglergemeinde zum Sonntag "Exaudi" (6. Ostersonntag):

Dorothea Höck: 

Predigt über Joh 17, 1-11 am 7. Ostersonntag (= Sonntag nach Himmelfahrt, 24. Mai 2020, bei den Augustinern in der Reglergemeinde


Solches redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen: Verherrliche deinen Sohn, auf dass der Sohn dich verherrliche; so wie du ihm Macht gegeben hast über alle Menschen, auf dass er ihnen alles gebe, was du ihm gegeben hast: das ewige Leben. Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue. Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast. Ich bitte für sie. Nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verherrlicht. Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir.


Liebe Gemeinde,

Was war eigentlich zwischen Himmelfahrt und Pfingsten?

Was das Kirchenjahr betrifft, befinden wir uns in einem Zeitloch.

Nach den Quellen des neuen Testaments hatte sich Christus zu Himmelfahrt endgültig von den Seinen verabschiedet. Zuvor zeigte er sich ihnen immer wieder als Auferstandener. Die Jüngerinnen und Jünger hatten sich nach Ostern freiwillig in Quarantäne begeben, 50 Tage sollten es werden. Sie harrten im Gebet im Obergeschoss eines Jerusalemer Hauses aus. Sie befanden sich zeitlich im Niemandsland. So wie wir heute auch ein wenig – so zwischen Himmelfahrt und Pfingsten einerseits, zwischen Lockdown und Aufhebung der Maßnahmen mit einer etwas ungewissen Zukunft vor Augen andererseits.

Die Rede Jesu, das sogenannte "Hohepriesterliche Gebet" aus dem Johannesevangelium schenkt uns den Text, wie solche Zeiten bestanden werden können. Sie mahnt uns zum Vertrauen auf Jesus und seine Fürbitte bei Gott.

Ein Viertel des Johannes-Evangeliums nehmen die Reden ein, mit denen Jesus die Seinen auf den bevorstehenden Abschied vorbereitet. Sie werden ohne ihn in dieser Welt auskommen müssen. Jeder, der einmal erlebt hat, dass ein Meister, ein Mentor, ein Mensch, der mir Orientierung gab, plötzlich weg ist, ahnt vielleicht, was das bedeutet. In unserer Geschichte haben Menschen alles auf eine Karte gesetzt und ihr Leben vollkommen nach Jesus ausgerichtet. Der Preis dafür ist jetzt: Unsicherheit, Feindschaft und Bedrohung des Lebens.

Von Lukas wissen wir: Sie harrten dennoch 50 Tage in ihrer Jerusalemer Unterkunft aus. Woher nahmen sie die Zuversicht? Warum tauchten sie nicht ab und versuchten zumindest nach außen hin wieder so zu leben wie zuvor?

Mir fiel eine Geschichte ein, die schon einige Jahre her ist. Damals war ich mit einer Freundin und ihrem damals dreijährigen Sohn einige Wochen in Budapest. Ihr quicklebendiger Sohn ließ sich nicht immer an der Hand festhalten. Irgendwann verlor sie ihn im Menschengetümmel. Sie suchte das Gebiet minutiös ab – und fand ihn wieder, denn er stand unbeweglich an einer Stelle.

Meine Freundin hatte dem kleinen Jakob zu Beginn der Reise eingeschärft: Wenn Du mich aus den Augen verlierst, bleib stehen, wo Du bist, und rühr Dich nicht. Ich suche Dich so lange, bis ich Dich gefunden habe! - Das tat er dann wirklich.

Mir hat sich diese Geschichte tief eingeprägt, als ein kleines Wunder: Das Kind hatte zur Mutter ein unbedingtes Vertrauen. Es war größer als die Angst, verloren zu gehen. Es war ein gegenseitiges Vertrauen, denn die Mutter konnte ihren Sohn nur auf diese Weise suchen, weil sie hoffen konnte, dass er sich auf ihr Versprechen verlässt.

Als so ein unbedingtes Vertrauen stelle ich mir Glaubenvor. Auch Jesus schärft den Seinen ein, bevor er sie verlässt: Selbst wenn Ihr überhaupt keine Verbindung mehr zu mir habt und Euch für verloren gebt: Vertraut, erwartet mich, ich gebe Euch nicht verloren, ich komme wieder.

Und als vertrauensbildende Maßnahme ruft er vor ihrenAugen und Ohren seinen Vater an und bittet um zweierlei:

  1. die Seinen zu verherrlichen
  2. und darum, sie zu bewahren, damit sie eins seien wie er und Gott eins sind.

Das klingt nun äußerst abstrakt, und wir haben uns beim Bibelgespräch am vergangenen Dienstag auch ordentlich den Kopf darüber zerbrochen.

Wieso spricht Jesus in seiner Abschiedsrede von „Verherrlichung“, wieso ist mit keiner Silbe der gewaltsame Tod erwähnt? Wie kann das sein? Daran habe ich lange herum gedacht.

Mir fiel der Glanz der byzantinischen Ikonen ein. Alle Gestalten und Geschichten sind dort in kostbares Gold getaucht, selbst die qualvollen Leiden Christi und der Märtyrer. Auf Ikonen wird jedes Geschehen in einem göttliches Licht gesehen, versinnbildlicht durch den Hintergrund aus Blattgold. Es zeigt die himmlische Aura: Ikonen sind wie Fenster aus der anderen Welt. Von dort her sehen uns die Blicke des Auferstandenen an, Gottes, aller Heiligen und Engel des bis heute Heilsgeschehens. Mit so einer himmlischen Aura versieht Johannes seine Darstellung der Geschichte Christi im Evangelium.

Aus der Perspektive der Welt Gottes zählt die Auferstehung. Das ganze Elend, Leiden und Kreuzigung werden vom Ende her betrachtet: Nicht als Bevorstehendes, sondern als Überwundenes. Es erhält Glanz. Das ist Verherrlichung.

Solche Vorstellungen sind uns in unseren modernen Zeiten fremd geworden: Es existiert nicht nur die eine Welt, sondern zwei Welten oder Sphären: Die göttliche, die des Lichtes, und die irdische, die nach Johannes nur eine vorübergehende Bleibe ist, die Sphäre der Finsternis. Jesus Christus verbindet diese beiden Sphären, wie wir im Prolog des Johannes-Evangeliums lesen:

Joh 1: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen.“

Licht ist für das damalige Denken untrennbar verbunden mit „Wahrheit“: Griechisch „A-Letheia“, das Nicht-Verborgene, das, was durch das Licht befreit wird aus dem Dunkel von Unwahrheit und Lüge. Doch ist diese Wahrheit nicht das grelle und oft unbarmherzige Scheinwerferlicht von denen, die sich im Besitz absoluter Wahrheiten wähnen. Diese Wahrheit erscheint im Gold der Ikone, und verkörpert die göttliche eigentliche Welt. Aus der Perspektive von Johannes leben wir hier an einem vorläufigen Ort, aber ausgerichtet auf die eigentliche Welt.

Die Erkenntnis dieser anderen Welt ist eine Frucht des Wirkens Christi. Wer an ihr teilhat, zählt zu den Seinen. Hier geht es nicht um Zuwachs an Wissen in der Wissensgesellschaft. Es geht um die Art Erkenntnis, die das Leben umkrempelt. Ein altes Wort fällt mir ein: „Heureka“: „Ich hab's gefunden“! Wer es ausruft, hüpft und jauchzt, weil es ihn nicht mehr an seinem Platz hält.

Ich hab das bei einem unserer Jugendseminare erlebt. Da war einer, der die ganze Gruppe drei Tage lang mit seinen Fragen und Widerreden quälte. Plötzlich sprang er auf, hüpfte herum und freute sich: „Ich hab’s, ich hab’s!

Manche Erkenntnis wirft ein Licht darauf, worauf es im Leben ankommt. Dann ändert sie das Leben. Bei Johannes verleiht sie ewiges Leben. Wir hörten: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich erkennen, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus.“

Das Evangelium des Johannes ist von Grundworten geprägt, die für uns erfahrbar machen sollen, wer Gott ist. Es sind die sogenannten „Ich-Bin-Worte“ Jesu: Ich bin: Licht, Weg, Leben, Brot, Wahrheit; Wasser. Jesus übersetzt das Wesen Gottes – nicht nur für unsere Köpfe, sondern mit allem, was er selbst ist und durch sein Wirken in die Welt bringt.

Sich damit zu verbünden in einem umfassenden Sinne, ist Erkenntnis, die ewiges Leben schenkt. Alles erscheint plötzlich in einem anderen Licht. So konnten der Evangelist Johannes rückblickend die Passion Jesu Christi als einen Sieg verstehen und nicht als endgültiges Scheitern: Als Sieg über die Todesangst und über den Zwang zum Erfolg.

Wer an der Erkenntnis Gottes teil hat, wird von seinem Licht durchdrungen. Wir werden selbst „Kinder des Lichts“, heißtes bei Paulus (1 Thess 5, 5).

Ich habe darüber nachgedacht, ob man heute noch so reden kann: Von der Gegenüberstellung zweier Welten: die irdische Welt, die voller Hass und Finsternis ist und die Welt Gottes, in die Jesus Christus zurückkehrt und woher uns Licht und Wahrheit kommen.

Wie sehr der Hass gerade gedeiht, spüren wir täglich. Dabei gilt er weniger uns Christen. Wir sind nicht von Tod und Verfolgung bedroht. Unsere Bedrohung ist eine andere: Dass wir so ununterscheidbar eins mit der Welt werden, dass das Licht immer schwächer wird.

Der Hass gilt anderen: Er brennt zwischen Menschen und Staaten. Wer täglich Nachrichten verfolgt, könnte meinen, wir leben in einem Zeitalter der Spaltung, des Zwistes: Zwischen den großen Weltmächten und zwischen Freunden und Familienangehörigen. Es gibt Menschen, die diesen Hass ständig anstacheln. Wer sich in diese Konflikte hineinbegibt und um Klärung bemüht, wird nicht selten dazwischen zerrieben und damit selbst zum Brennstoff für das Aufheizen des Streites.

Ich glaube, hier gibt es keine leichte Lösung und auch die Bibel liefert uns in dieser konkreten Situation keine einfachen Antworten. Aber nehmen wir das Bild von den Kindern des Lichtes, die Gottes Wahrheit und Liebe in die Welt bringen. Wer im Einvernehmen mit Christus lebt, kann sich doch eigentlich gar nicht von dieser Welt abwenden, sondern erkennt seine Verantwortung für Gottes Geschöpfe. Der Anspruch ist riesig: Dem Hass, der Abneigung und Empörung allerorten mit der Liebe zur Welt begegnen. Seine Hoffnungen auf den Menschen setzen, weil er Gottes Geschöpf ist.

Dazu brauchen wir die Fürbitte Christi, von der Johannes berichtet: Dass wir bewahrt bleiben und Anteil haben an der Herrlichkeit Gottes auch schon in dieser Welt.

Ich schließe mit einem frühchristlichen Hymnus aus dem vierten Jahrhundert, der zu Himmelfahrt in den orthodoxen Kirchen gesungen wird, unsere Jesusrede in einem Lobpreis:

Du hast Dich erhoben in Herrlichkeit, Christus, unser Gott, und durch die Verheißung des Heiligen Geistes Freude bereitet Deinen Jüngern. In der Segnung erfuhren sie: Du bist Gottes Sohn, der Erlöser der Welt.

Nachdem du für uns den Heilsplan erfüllt und das Irdische mit dem Himmlischen wieder vereint hast, fuhrst du empor in Herrlichkeit, Christus unser Gott. Doch bist Du nicht von uns fortgegangen, sondern bliebest und rufst denen, die dich lieben, zu: Ich bin bei euch und niemand kann gegen euch sein.“

Amen.

Jeremias