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December

2018

Jahresrückblick der Erfurter Augustiner

Ökumenischer Gottesdienst zum Jahresende (P. Matthias, Pfarrerin Gabriele Lipski)

Drei Säulen prägen nach wie vor unser Leben hier: unser Zusam­menleben als Gemeinschaft von vier Augustinern (P. Pius, P. Matthi­as, P. Jakob und Br. Jeremias), unsere Seelsorge in all ihren Facetten und die täg­lich gelebte Ökumene an der Reglerkirche. Wir hoffen, dass diese Säulen uns sicher stehen lassen und dass wir sie immer wieder gut miteinander verbinden können.

2018 konnten wir erstmals ein gemeinsa­mes Jahresprogramm mit „Regler“ erstellen. Wir möchten suchenden Menschen Angebote ma­chen, wo sie mit ihren Fragen und Interessen anknüpfen kön­nen, mit uns zusammen Gottes Weite spüren und Freude am Glau­ben und an der Gemeinschaft finden. Das Programm und andere In­fos stehen auch auf unserer Homepage www.augustiner-in-erfurt.de.

Im zurückliegenden Jahr haben wieder viele Menschen in der Seel­sorge zu uns gefunden. Davon kann und will ich nichts weiter erzäh­len. Zu berichten ist von den schönen Got­tes­diensten, die wir mal ganz katholisch, mal in ökumenischer Eintracht feiern konn­ten. Ich denke etwa an den Lichtmesstag. Unter dem Motto „Mein Leben in Gottes Licht halten – gesegnet meinen Weg gehen“ hat P. Jakob mit Pfarrerin Lipski den Abendgottes­dienst in der Reglerkirche gestal­tet.

P. Matthias hatte in der Fastenzeit eingeladen zu „40 Tage im Ge­spräch mit Gott und mir“. - Das österliche Triduum begann mit der Messe vom Letzten Abendmahl (inkl. Händewaschung und Agape) und der Ölbergstunde im Hohen Chor der Reglerkirche. Am Karfrei­tag waren wir unterwegs zu einer Anhöhe am Stadtrand. Die Passi­on Christi begleitete uns auf dem Weg, der in der klei­nen Cyriakus-Kapelle endete. Dort meditierte P. Jakob mit uns den Gekreuzig­ten des Isenheimer Altars. Wer wollte, war rechtzeitig zurück zur Passi­onsmusik in Regler. Die Auferstehungs­feier am frühen Oster­morgen hat durch die Taufe zweier Babys und eines Dreijährigen einen be­sonderen Akzent erhalten. Es war höchstwahrscheinlich die ers­te katholische Taufe in der Regler­kirche überhaupt!

Leider lag ein Schatten über dem Oster­fest. P. Pius musste in der Karwoche mit hohem Fieber ins Krankenhaus. Der Infekt war Os­tern, worauf dieses Jahr zusätzlich sein Ge­burts­tag fiel, noch nicht überwunden. Inzwi­schen ist er aber Gott sei Dank längst wieder ge­nesen.

Eine besondere Freude war im August die Feier des Augustinus-Fes­tes. Unser Ordensvater ist ja auch der Patron der Reglerkirche. Der Gemeindekirchenrat hat beschlossen, künftig immer mit uns zu­sammen das Augustinusfest zu feiern. An diesem Tag wird auf den Evangelischen Gemeindegottesdienst verzichtet. Br. Jeremias stand der Fest­messe vor, der katholische Pfarrer und Dekan Marcellus Klaus hielt die Predigt, Glieder beider Gemeinden trugen die Texte vor. Begrü­ßung und Segen teilte Br. Jeremias sich mit Pfarrerin Gabriele Lipski. Das „Öku­me­ni­sche Holzgebläse“ um­rahm­te die Messe feierlich.

Nach der Kaffeepause gaben Sieg­fried und Oliver Fietz ein Konzert. Sie stell­ten dabei vor allem die neuen Augus­tinus-Lieder vor, die Marco Kunz ge­dichtet hatte und im Rahmen des Kon­zerts selbst performte. Etliche Fotos un­serer neuen Homepage ent­standen an diesem Tag. Sie haben die gute und vor allem im Gottesdienst sehr berüh­rende Stimmung prima ein­ge­fangen. Die Kollek­te war für die Re­novierung des Gemeinde­hauses be­stimmt. Inzwischen wurde ja damit begon­nen, um die Wohn- und Arbeits­be­dingungen für uns und unsere beiden Gemeinden zu ver­bes­sern. - Das „Mürsch­ter Klosterbier“ ließen sich viele beim Fest gerne schmecken!

Nur wenige Tage nach dem Augustinus-Fest feierte Bischof Ulrich Neymeyr mit uns die Abendmesse. Anschließend traf er sich im Ge­meindehaus mit uns und Vertretern des ev. Gemeindekirchen­rates zum Abendbrot im kleinen Kreis. Der Bischofsbesuch war im Rah­men der Visitation der Innenstadtgemeinde St. Laurentius und wür­digte unser seelsorgliches und ökumenisches Engagement.

Während der Predigt im Jahresschlussgottesdienst

Unsere tägliche Abendmesse ist – wie es jemand ins Bild gefasst hat – der Punkt, an dem der Zirkel fest eingestochen ist, von dem aus wir unsere Kreise ziehen. Am Freitag verbinden wir die Messe mit einem kleinen Schriftgespräch. Danach treffen sich die Gottesdienstbesucher mit uns Augustinern zu einem Mitbring-Abendes­sen im Augustinus-Raum.

Etliche Workshops und Vorträge konn­ten wir Augustiner und die Reg­lerge­mein­de wie­der mit dem Katho­li­schen Forum und an­deren Partnern organi­sieren. Schon im Janu­ar war der Nestor der deut­schen Gravitationsforscher, der inzwischen leider verstorbene Prof. Dr. Manfred Bonatz (Bonn), zum Vortrag bei uns. Sein Plädoyer, dass Natur­wis­sen­schaft und Glaube zusammengehören, hat das große Audito­rium überzeugt. Der Zugewinn an wissenschaftli­cher Erkenntnis macht den Glauben eben doch noch längst nicht überfl­üssig.

Pfarrer & Elvis-Imitator Norbert Fink aus Wuppertal besuchte uns zu einer Lesung aus seinem Buch „Hallo Welt, hier Kirche“. Der Trau­priester von Daniela Katzenber­ger und Lucas Cordalis über­raschte viele durch seine eher zurückhal­ten­de Art.

Zum Fest der Bekehrung des hl. Augustinus feierten wir wieder ei­nen festlichen Gottesdienst. Anschließend hielt Dr. Andreas E.J. Grote (Zentrum für Augustinus-Forschung Würzburg) uns den Vor­trag „Kloster und Klerus. Das neue Konzept von Askese und Pasto­ral bei Augustinus“. In einem Abschnitt ging er dabei besonders auf P. Adolar Zumkellers Standardwerk „Das Mönchtum des hl. Augustin­us“ ein. Dieses Buch des gebürtigen Erfurter Mitbruders hat Grote 2018 im Auftrag unserer Provinz neu herausgegeben.

Am selben Wochenende war auch der „Tag der offenen Klöster“, der im Vielerlei leider etwas unterging. Abends lud das Klezmer-Orches­ter Erfurt unter der Leitung von Johannes Gläser und Kantor Johan­nes Häußler zum Konzert: „Klez we can!

Tags darauf, am Sonntag nach dem evangelischen Gemeindegottesdienst, er­öffneten wir in der Kirche mit einer Vernissage die Aus­stellung „Frieden geht. Anders“. Konzipiert wurde sie von Pax Christi und der Ev Kirche Hessen Waldeck. Sie erzählt sieben positive Beispiele, wo couragierte Menschen Frieden er­mög­lichten, indem sie anders als erwartbar han­del­ten.

Im Umfeld dieser Ausstellung war auch wieder unsere palästinensi­sche Freundin Dr. Dalal Makari-Pausch aus Weiden mit arabischem Schatten­theater und Tanz bei uns. Sie und Nic Elß aus unserer Ge­meinde trugen ihre Gedichte und Prosatexte vor. Die syrischen Mu­siker Miral Zidan und Sarmad Majed gestalte­ten den Abend auf der Saz und der Oud. Zwei Tage zuvor hatte Dalal Makari-Pausch Schüle­rInnen der Eli­sabeth-Schule (Caritas; Er­zie­her) einen Workshop über das Schat­tentheater als therapeu­ti­scher Möglich­keit für durch Krieg trauma­tisierte Kinder gehalten.

Beim Fahrradkino Anfang Mai zeigten wir vor dem Haupteingang der Kirche den Film „Keine Kompromisse“ von Hauke Hilberg. Der Pro­jektor wurde von acht Fahrrädern angetrieben. Immer wieder blieben auch Passanten stehen oder betei­lig­ten sich sogar am Film­gespräch.

Am 8. Mai, dem Tag des Kriegsendes in Deutschland, schlossen wir die Ausstellung mit dem Friedensgebet der Gemeinschaft Sant'Egi­dio. Die Er­fur­ter Gruppe betet zweimal pro Monat in Regler das Abendgebet.

An einem heißen Samstag Anfang Juni gingen wir mit dem Kleinen Bru­der Jesu Andreas Knapp aus Leipzig in die „Wüste“. Seine „Le­bensspuren im Sand" waren eine Einübung in Stil­le und Aufmerks­amkeit. Abends gab Br. Andreas eine Lesung seines Buches „Der Brunnen hinter den Dünen“, in dem er seine Erfahrungen in der Wüste verarbeitet hat. Die großartige Madlen Kanzler begleitete uns musikalisch durch den Abend auf der Gitarre.

Eine unerwartet große Zahl von Menschen – zum Teil ohne konfes­sionelle Bind­ung – aus Erfurt und Umgebung war an „Meis­ter Eck­hart. Eine Einfüh­rung“ interessiert. Der Ein­führungs­vortrag von Re­nate Morawietz rief die Eckdaten des Erfurter Dominikaners in Erin­nerung. Die Rita­schwestern Ursula und Carmen boten einen Workshop mit Textar­beit und Bewe­gungan, Dorothea Höck die Lek­türe zwei­er Predig­ten Eckharts über Martha und Maria (Lk10,38-42) – die er ganz außergewöhnlich inter­pre­tier­te! Eine Abendveranstal­tung in der Predigerkirche brachte unter dem Motto „Durch die Wüste zum Einen“ Musik und Texte von Meister Eckhart und seines islamischen Zeitgenossen Rumi, des Gründers des Sufismus, zueina­nder. Musik aus Orient und Okzident an der Orgel und orientali­schen Zupfinstrumen­ten prägten den Abend. 2019 planen wir eine Fortsetzung dieser„Ein­füh­rung“.

Anfang September führte uns die ökumenische Fußwallfahrt zur Pil­gerkirche nach Schmira vor den Toren Erfurts. Auf dem Weg beglei­teten uns nochmalsTexte von Meister Eckhart. In Schmira wurden wir vom Team der Pilgerkirche herzlich empfangen.

Ein Sonntag im Sep­tember wurde zu ei­nem besonderen spi­ri­tuellen Highlight. Der Flötist und Kom­ponist Helge Burggrabe hielt in der Reglerkirche einen HAGIOS-Tag. Seine Melodien und verbindenden Worte tönen immer noch in uns. Die kurzen Liedrufe begleiten uns seitdem immer wieder auch in unserer Werktagsliturgie.

Am 28. September feiern wir Augustiner das Fest der Seligen Japanischen Märtyrer, die im 17. Jahrhundert ihr Leben ließen. Das Schweigen Gottes und das schwierige Verhältnis von Verrat und Fanatismus er­zählt auf beeindruckende Weise der Film „Silence“ von Martin Scor­sese, den wir im Anschluss an die Abendmesse im Gemeinde­saal zeigten. Die Fragen, die der Film aufwirft, sind nach diesem Abend noch längst nicht verdaut.

Gleichzeitig war der Film sozusagen inoffizieller Auftakt zu einer Herbstfilmreihe, die wir zusammen mit dem Katholischen Forum Thüringen und dem Kommunalen Kinoklub zeigen. Es ging im Okto­ber los mit „Sophie Scholl. Die letzten Tage“, gefolgt von „Dein Weg“ vierzehn Tage später. Für das anschließende Film­ge­spräch konnten wir den Komponisten und Pionier der Hospiz­arbeit in Thüringen (sowie Onkel unserer Verteidigungs­mi­nis­te­rin) George Alexander Albrecht (Weimar) gewinnen. Zum Abschluss zeigten wir im November die Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“. Mehrere Bekannte haben selbst Erfahrun­gen mit „interkulturellen Ehen“ ih­rer Kinder und standen beim Filmge­spräch Rede und Antwort.

Am ersten Sonntag im Oktober fei­er­ten wir wieder ökumenisch das Erntedankfest und die Taufe zweier Kinder, verbunden mit dem Ge­meindefest in und vor der Kirche. Nach dem Gottesdienst gab es Führungen durch das Gemeinde­haus, dessen Renovierung ansteht. Viele nutzten die Gelegenheit, auch unsere Wohn­räume anzuse­hen. Nachmit­tags be­gei­sterte eine Puppen­spie­le­rin mit dem nord­deutschen Märchen von der „Regentrude“ Jung und Alt. Zum Ab­schluss konnten wir ein feierliches Konzert für Orgel und Trom­pete genießen.

Am 10. Oktober feierten wir das Fest unseres Studienpatrons Tho­mas von Villanova. In diesem Jahr sind wir besonders dankbar für Br. Philipp und Br. Michael. Sie legten am 1. September in Maria Eich bei München ihre erste Profess ab. Mittlerweile sind sie nach Würzburg umgezogen, um dort als Erzieher im Blinden­institut zu ar­beiten bzw. Theologie zu studieren. Wenige Tage später wurde Br. Damian ins Noviziat aufgenommen. Bei unserer Provinzversamml­ung in Oberzell bei Würzburg konnten wir bereits spüren, wie wohl­tuend diese jungen Männer für uns sind. - Auch die Ritaschwestern (Augustinerinnen) haben wieder eine Novizin: Sr.Katharina-Elisa­beth. Schließt diese jungen Leute bitte in euer Gebet ein!

Im zurückliegenden Jahr verbesserten wir vor allem dank unseres Experten Br. Carsten die Öffentlichkeitsarbeit. Ihr kennt ja alle unser­e Halbjahreszeitschrift „Augustiner“, die von ihm konzipiert ist. Seit einigen Monaten wird Carsten unterstützt von Fabia Fuchs. Unsere bereits erwähnte neue Homepage trägt vor allem ihre Handschrift. Dort kann man sich auch für den Newsletter anmel­den, den Br. Jeremias von Zeit zu Zeit verschickt. Tagesaktuell versucht Je­remias weiter über verschiedene Facebook-Seiten zu informieren. Die Seite „Regler ökumenisch“ (fb.me/AugustinerReglerErfurt) bestüc­ken wir gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde.

Auch im Stadtbild sind wir nun stärker präsent, weil wir unsere Werbung auch in den Veranstaltungsheften der Stadt Erfurt sowie an den „Kulturlitfaßsäulen“ platzieren. Damit erreichen wir Men­schen, die bislang kirchliche Angebote nicht wahrgenommen ha­ben. Unser wichtigster Kooperationspartner bleibt das Katholi­sche Forum Thüringen, die Akademie des Bistums Erfurt. Das fi­nan­zielle Risiko federt ferner die „Stiftung der Augustiner“ gut ab.

Nicht vergessen möchte ich, dass wir in diesem Jahr die Vikarin Sa­brina Pieper schweren Herzens verabschieden mussten. Sie hat zu Ostern ihre erste eige­ne Pfarr­stel­le in Mühlberg an der Elbe ange­treten. Jeremias war bei ihrer Einfüh­rung dabei und konn­te sich über­zeugen, dass sie dort sehr willkommen ist. In Mühlberg kann sie auch ihre Begeisterung für die Ökumene weiterleben. Dort hat der katho­li­sche Orden der Claretiner einen kleinen Konvent.

Wir Augustiner haben inzwischen auch ein wenig in die Reglerkirc­he investiert. Seit Frühsommer gibt es einen zusätz­li­chen Sakristei­schrank. Der war alles andere als billig. Aber er hilft doch sehr, dass wieder Ordnung eingekehrt ist und unsere Sakris­tei nun wohl die schönste von ganz Thüringen ist! Als nächstes planen wir das „Obergemach“ etwas zu renovieren, in dem norma­ler­weise der Ta­bernakel steht.

Es ist schön, wenn wir uns als Erfurter Ordensleute immer wieder bei den Ordenstagen des Bistums treffen. Mit dem Karmel in Wei­mar und den Kleinen Schwestern Jesu aus Gräfentonna verbindet uns eine besondere Freund­schaft, auch mit Sr. Benedikta (Gute Hir­tin; sie ist schon 95!), die oft bei uns die Messe mitfeiert.

Schlusssegen

Ein besonderes Highlight war für Br. Jeremias die Familienfreizeit Ende Juli/Anfang August in Ober­wiesen­thal (Erzgebirge). Familien aus Er­furt, Nürnberg, Oberfran­ken, der Oberpfalz und Ber­lin sowie Geschwis­ter der Augustinus-Bruderschaft ver­brach­ten eine ent­spann­te Zeit in der höchst­ge­le­ge­nen Stadt Deutsch­lands. Dort stand uns das evan­geli­sche Gemein­de­haus mit seinem Garten zur Verfü­gung.

Mitte Oktober hat unsere Kommunität ein paar Tage im Schwarz­wald verbracht, wo ein Erfurter uns sein Haus zur Verfügung stellte. Wir haben über unser Leben und unsere Arbeit reflek­tiert und am Programm für 2019 gearbeitet.

Am Allerseelentag (2. November) gestalteten Br. Jeremias und Nic Elß die Gedenkmesse für die Verstorbenen mit Gedichten von Rainer Maria Rilke. Madlen Kanzler umrahmte den Gottesdienst musikalisch auf der Gitarre.

An Augustins Geburtstag (13. November) betete die Gemein­schaft Sant'Egidio wieder ihr monatliches Abendgebet. Anschlie­ßend hielt im großen Gemeindesaal Br. Jeremias den Vortrag „Gna­de oder Leistung? Eine Korrespondenz über die Gnade“. Bereits am Vorabend hatten wir in der Abendmesse das Fest „Ordensallerheili­gen“ gefeiert.

Den Buß- und Bettag feierten wir gemeinsam mit Regler ökume­nisch. Auf diesen Tag fiel auch die Visitation unseres Provinzials P. Alfons Tony OSA anlässlich des bevorstehenden Provinzkapitels. Be­gleitet wurde er von P. Dominik Wernicke OSA. Die brüderliche At­mosphäre und die offenen Gespräche miteinander haben uns sehr gut getan. Inzwischen ist die Befragung abgeschlossen, wer neuer Provinzials werden soll. Die Wahl erfolgt dann nach Ostern.

Anlässlich des 2. Jahrestages unserer Kooperation feierten wir den Gottesdienst am 1. Advent wiederum ökumenisch. Thema des Got­tesdienstes war „Himmel auf!“ Vielleicht ist ja unsere ökumenische, alltägliche Gemeinschaft in Regler ein Stück offener Himmel?

Jetzt, wo wir das gesamte Jahr 2018 Revue passieren ließen, wird uns bewusst, wie viel schon gewachsen ist. Der Alltag ist oft an­strengend, voller Reibung und auch mit Rückschlägen gespickt. Da ist es gut, hin und wieder den Focus zu vergrößern und dankbar zu werden für alles, was doch gelungen ist. Diese Perspektive auch auf das eigene Leben wünschen wir Augustiner Ihnen allen von Herzen!  

Jeremias

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December

2018

"Wann reißt der Himmel auf?" (Silbermond) - 2 Jahre Kooperation Augustiner - Ev. Reglergemeinde Erfurt

Wann reißt der Himmel auf?“, fragte Silbermond am 1. Advent die ökumenische Gemeinde in der Reglerkirche. „Ist nicht irgendwo da draußen 'n bisschen Glück für mich?“

Br. Jeremias spricht das Tagesgebet.

Am 1. Advent 2016 feierte die Reglergemeinde mit uns Augustinern und denen, die sich uns verbunden wissen, erstmals in der Reglerkirche gemeinsam Gottesdienst. Unsere Kooperation wurde damit besiegelt. In den zurückliegenden zwei Jahren sind wir noch mehr zusammengewachsen. Wir öffnen uns mehr und mehr füreinander in unserer Arbeit und unserem Leben - und bleiben doch wir selbst.

Wann reißt der Himmel auf?“ - Vielleicht ist unsere ökumenische Gemeinschaft ein Stück offener Himmel?

Predigt für den 1. Advent 2018: „Himmel auf!“

Wenn wir singen: O Heiland reiß den Himmel auf, oder wann reißt der Himmel auf, könnte vor unserem inneren Auge eine Vorsituation erscheinen. Wie sieht die Welt aus, wenn der Himmel nicht aufgerissen ist: dunkel, ohne Sonne, trübe, müde machend, vielleicht durch das geringe Licht Anlass für Depressio­nen. Der Blick richtet sich auf das Dunkle, auf die Not und Angst, wie in dem Lied von Silbermond be­schrieben. Eine Welt, in der man das Gefühl hat, dass das Licht für mich nicht mehr richtig scheint. Aber wir brauchen  das Licht zum Leben.

Br. Jeremias

Irgendwie habe ich derzeit besonders viele seelsorgliche Gespräche über einen Verlust, Krankheit oder Ängste, über zerbrochene Beziehungen und Unsicherheit, wie es beruflich weitergehen soll. Man hat manchmal den Eindruck, als suchten solche schweren Lasten die Gesellschaft anderer schwerer Lasten, und es reißt gar nicht ab. „O Heiland, reiß den Himmel auf!“, möchte ich beten für alle diese Menschen. Schicke dein Licht zu uns, oder noch besser: Komm selbst und befreie uns!

Pfarrerin Lipski

O Heiland, reiß den Himmel auf und steig herab, bitten wir. Das hört sich so mächtig und stark an. Man sieht Gottes gewaltige Hand, die alles zerreißt, was in uns dunkel ist.

Unser Heiland ist Jesus Christus. ER ist herab gestiegen zu uns.

Aber Jesus kommt nicht mit Gewalt und großem Getöse. „Siehe, dein König kommt sanftmütig zu dir,er reitet auf einem Esel“. Dieses Evangelium, das wir immer am 1.Advent vorlesen, spricht von Jesus, dem König und Sohn Gottes, der ganz bewusst demütig und völlig wehrlos zu den Menschen kommt, ohne Machtanspruch. Nur auf einem Esel. Ein Friedenskönig.

Br. Jeremias

Nur ein Esel? So halbwüchsig wie er ist, taugt er kaum für Triumphzüge. Mit ihm kann man nicht Schau­laufen: „Schaut her! Ich habe alles im Griff! Jetzt geht’s nur noch nach vorne und aufwärts!“ Nur ein Esel. Ein Tier für den Alltag der Bauern, damals im Heiligen Land, zur Zeit Jesu. Geduldig schleppt er die Lasten, schleppt tagaus-tagein alles, was man auf seinen Rücken legt. Aber: Es ist der Esel, dieser All­tags-gängige und Alltags-taugliche, der den Herrn nach Jerusalem hineinträgt.

Mehr alltagstauglich als außerordentlich sind auch manche Situationen, in denen uns der Himmel aufzu­gehen scheint. Da bekommt die schwarze Decke über uns einen Riss: Gottes Nähe wird spürbar.

Pfarrerin Lipski

Ja, ein schönes Bild: Die schwarze Decke bekommt einen Riss. Das Licht wird sichtbar. Mitten in unserem Leben.

Br. Jeremias und Pfarrerin Gabriele Lipski bei der Dialogpredigt.

Lassen Sie mich zwei Beispiele aus meinem beruflichen Leben erzählen, wo das geschehen ist. Licht ist: Dunkles ist hell geworden, der Himmel ist aufgerissen:

1. Beispiel:

Einige Zeit lang hatte eine Frau aus der Gemeinde mit eini­gen Dingen, die ich vielleicht ungeschickt ge­sagt und getan habe, Schwierigkeiten.Sie fühlte sich durch mich nicht richtig verstanden. Wir beide lit­ten unter der Situation und hatten bittere Gedanken, wenn wir an einander dachten. Dann haben wir mehrfach miteinander gesprochen – nicht gleich ging dabei der Himmel auf. Die Gespräche waren  zu­nächst mühsam. Kränkungen wurden benannt und muss­ten verkraftet werden. Aber nach einer gewis­sen Zeit des gemeinsamen Ringens um Verständnis, konnten wir die Dinge, die zwischen uns standen, bereinigen, ablegen. Jede ist der anderen ein Stück entgegen gekommen und wir haben gelernt, freund-schaftlich und wertschätzend aufeinander zu schauen. Für mich ging da der Himmel auf!

„Lasst uns ablegen Werke und Gedanken der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes“, wurde in der Epistel heute vorgelesen. Die Werke des Lichtes sind die freund­lich und sehen Gutes im Anderen. Immer, wo das ge­schieht, handeln wir im Geiste Jesu Christi, der auf einem Esel in Sanftmut zu uns kommt. Und es reißt der Himmel auf. Gottes Licht wird sichtbar.

2. Beispiel

Junge Gemeindepädagogen von einer Hochschule aus Sachsen sind vor 2 Monaten mit zwei ihrer Pro­fessoren zu uns in die Gemeinde gekommen und haben darum gebe­ten, etwas über unsere ökumeni­sche Kooperation zu hö­ren. Jakob und ich erzählten ihnen von unserem Gedanken, dass es viel wichtiger ist  miteinander auf dem Weg zu sein und die eigenen konfessionellen Grenzen durchlässig zu machen, als sich bewusst abzugrenzen.

Wir werden oft be­sucht und sollen über die Ökumene unserer Gemein­den erzählen. Aber wenn wir das erzählen, wird uns oftgesagt, dass wir doch nur Einzelexemplare sind. Exoten in der christlichen Welt. Wir tun etwas, was manche ganz schön finden. Ein bisschen lassen wir uns bestaunen. Und dann hören wir am Ende. „Das ist wirklich interessant, was Sie hier machen. Aber geht doch an der kirchlichen Wirklich­keit vorbei. So weit sind die Kirchen eigentlich noch nicht. Wir müssen uns Schritt für Schritt annähern und dürfen da­bei keinen Schritt auslassen. Es wird noch sehr lange dau­ern, ehe unsere Kirchen auf diese Weise zur sich vollstän­dig anerkennenden Ökumene bereit sind.“ Das hören wir immer wieder. Und nehmen es zur Kenntnis. Ich bin dabei immer etwas traurig. „Schade, dass die anderen es nicht versuchen.“

Fürbitten

Am Ende des Gespräches mit den angehenden Gemeinde-Pädagogen habe ich die jungen Leutegefragt, was ihr eigener wesentlicher Gedanke sei, wenn sie an ihre zukünftige Arbeit in den Gemeinden den­ken. Eine junge Frau meldet sich zu Wort und sagt:„Ich möchte es ganz ge­nauso machen wie Sie. Ich möchte Grenzen überwinden und Frieden schaffen, zum Beispiel indem unterschiedliche Konfessionen miteinander den Glauben weitergeben und Frieden leben. Vielleicht können wir damit auch kirchen­fremde Menschen beeindrucken – weil wir einen Friedens­weg gehen, über Grenzen hinweg.“

Für mich, liebeSchwestern und Brüder, ist bei dieser Ant­wort ein Stück Himmel aufgerissen. Diese jun­gen Men­schen, die voller Begeisterung in ihrer Berufsvorbereitung sind, nehmen sich an unserem öku­menischen Weg ein Beispiel. Wenn fremde Menschen erkennen, dass durch die Ökumene zwischen
ka­tholischen Mönchen und einer ev. Gemeinde Kirche neu gebaut wird, dann sind wir auf dem Weg mit Jesus Christus, der Versöhnung gebracht hat, zu den Menschen. Dann reißt der Heiland den Himmel auf.

Br. Jeremias

Mir  kommt hier wieder der Esel in den Sinn. Auch unsere Ökumene erschien manchem Mitchristen in dieser Stadt als Eselei: Das kann doch nie und nimmer funktionieren! Das wird im Alltag ständig Proble­me geben! Die Unterschiede sind doch viel zu groß! - Aber gerade im Alltag gibt es die wenigsten Pro­bleme. Wir teilen uns manche Aufgaben in Kirche, Gemeindehaus und Gelände. Wir bringen unsere Be­dürfnisse und unsere Fähigkeiten ins Spiel, besorgen Kerzen oder Blumenschmuck, Aufsteller und Plaka­te, bewerben unsere gemeinsamen Veranstaltungen, schließen die Kirche auf und zu, laufen bei Alarm los und gucken, besprechen alles, was organisiert werden muss (und mehr) in den verschiedenen Gre­mien,
besuchen gegenseitig immer wieder die Gottesdienste, auch die
verschiedenen Musiken – und beten täglich im Mittagsgebet in ökumenischer Eintracht. Wie oft sitze ich hier in der Kirche oder im Ge­meindehaus oder in unserem schönen Kirchgarten und denke: Hier ist doch der Himmel schon offen! - Am wertvollsten ist mir diese alltäglich-treue Eselei, die unsere Ökumene vielleicht am stärksten aus­macht.Und ich glaube: Auf solchen Eseln reitet der Herr offenbar gerne!

Pfarrerin Lipski

Wir säen die Samen, wir können nur kleine Schritte gehen. Der Herr reißt den Himmel auf. Der Herr lässt wachsen und gedeihen, so dass die Samen beginnen zu grünen und die Menschheit getröstet wird.

Liebe Gemeinde, Gott ist bei uns. Kommt ganz lei­se in unseren Alltag. Auch wenn Sie heute Kummer haben und Sorge, so ist es doch ein großes Geschenk, dass Sie wis­sen dürfen, Gott geht mit mir auch durch schwere Zeiten. Er ist dennoch ein Licht in mei­nem Herzen. Er reißt den Himmel immer wieder auf. Oft ganz still und leise. Oft in kleinen Alltagsdingen. Der Herr reißt den Himmel auf und lässt uns das Licht wieder erkennen. Das Licht sei­ner Liebe und Zuwen­dung. Amen.

Am Nachmittag führten Regler–Singschar & Regler–Instrumentalkreis unter der Leitung von Kantor Johannes Häußler „Die Geburt Christi" auf. Mit bekannten Advents- und Weihnachtsliedern, mit Solisten und Instrumentalbegleitung (Oboe, Streichorchester und Orgel), mit Kinderchor und integrierten Gemeindeliedern schuf Heinrich von Herzogenberg eine Vertonung der Weihnachtsgeschichte.

Jeremias

13

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November

2018

Ordensallerheiligen und Augustins Geburtstag am 13. November

Ein Vortrag über den„Gnadenstreit“ anhand einer ungewöhnlichen Korrespondenz

19.30 Uhr | Gemeindesaal | Br.Jeremias OSA


Wie gelingt menschliches Leben? Was kann oder muss ein Mensch tun, um gottgefällig zu leben? Inwiefern ist der Mensch von Gott gefordert – wo überfordert? Was kann ein Mensch Gott anbieten, der über ihn richten wird? Ist Gott mehr zu lieben oder mehr zu fürchten? Was bewirkt Gottes Gnade?


Die junge Römerin Demetrias, Spross der Anicier, eines hochadeligen Geschlechts allerersten Ranges,schlägt um die Jahreswende 413/414 eine glänzende Hochzeit aus. Stattdessen nimmt sie den Jungfrauenschleier, um fortan ein asketisch-keusches Leben zu führen. Damals stand die Welt Kopf: Viele sahen im Entschluss der jungen Frau die alten römischen Tugenden wiederaufleben – nun aber veredelt durch den christlichen Glauben.


Mutter und Großmutter der Demetrias, beide fromme Witwen, nutzen ihre Verbindungen und bitten die besten Theologen der Zeit um Briefe und kleine Handbüchlein zur Unterweisung im geistlichen Leben. Hieronymus, Pelagius und Augustinus greifen zur Feder - drei der wichtigsten Vertreter des sogenannten „Gnadenstreits“, der die junge Kirche noch lange (bis heute?) in Atem hielt. Unter anderem Fragen, wie sie oben angerissen wurden.


Doch schon in der Korrespondenz an und um Demetrias zeigen sich die fundamentalen Unterschiede – vor allem wie sie von Augustinus und Pelagius vertreten werden: eine Spiritualität der Liebe gegen eine „Spiritualität“ der Leistung.

Jeremias

11

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October

2018

Erntedank & Gemeindefest

Am 7. Oktober konnten wir ökumenisch ein wunderbares Erntedankfest und die Taufe zweier Kinder feiern, verbunden mit dem Gemeindefest in und vor der Kirche.


Nach dem Gottesdienst gab es Führungen durch das Gemeindehaus, dessen Renovierung ansteht. Viele nutzten die Gelegenheit, auch unsere Wohnräume anzusehen.

Nachmittags begeisterte eine Puppenspielerin mit dem norddeutschen Märchen von der „Regentrude“ Jung und Alt.



Zum Abschluss konnten wir ein feierliches Konzert für Orgel und Trompete genießen.

Jeremias

26

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September

2018

Hagios-Tag in Regler

„Hier bin ich! Hier bin ich! Hineni!“, hallt es in vielfacher Wiederholung mehrstimmig durch den Hohen Chor der Erfurter Reglerkirche. Die Antwort auf Gottes Anruf braucht eine Klarheit, wie sie im deutschen „Hier bin ich!“ zum Ausdruck kommt. Sie braucht aber auch die offene Weite, die eher im hebräischen „hineni“ anklingt. Da sein, ganz präsent im Hier und Jetzt, offen für den Ruf Gottes. Mit einem Mal bin ich zurückversetzt an die Stationen meines Lebensweges, an denen ich in der Liturgie aufgerufen wurde: bei der Profess und bei den Weihen. „Hier bin ich!“, das war jeweils meine Antwort. Jetzt ist es wieder meine Antwort. HAGIOS - Gesungenes Gebet.


HAGIOS - griechisch für „heilig“- nennt Helge Burggrabe sein Mitsingprojekt. „Es gibt keine falschen Töne“, ermutigt er die Teilnehmer am nachmittäglichen Workshop und später auch alle, die sich zum Liederabend einfinden. Schon nach kurzer Zeit ist die Reglerkirche voll von Musik. Man mag kaum glauben, dass die Menschen, die hier miteinander singen, dies noch niemals vorher miteinander taten und auch bei weitem nicht alle geübte Sänger sind.

Der Komponist und Flötist Burggrabe hat in der Tradition von Klöstern und Gemeinschaften wie Taizé einen Liederzyklus entwickelt. Kurze Texte und Rufe werden mit eingängigen Melodien unterlegt und in steter Wiederholung meditiert. Die Überleitungen Burggrabes helfen dabei, in eine Haltung der Offenheit und des Gebets zu kommen. Das Heilige beginnt in uns zu schwingen, die Instrumente der eigenen Körper und das „architektonische Instrument“ der Reglerkirche stimulieren einander und lassen die Tiefe des Franz von Assisi zugeschriebenen Wortes erahnen: „Herr, mache mich zu einem Instrument deines Friedens“.

Ein Wort aus der koptischen Kirche hat Helge Burggrabe ebenfalls vertont: „Lass deinen Mund stille sein, dann spricht dein Herz. Lass dein Herz stille sein, dann spricht Gott.“ Im Laufe des Sonntags spüren die Teilnehmer den Gehalt dieses und anderer Rufe aus dem HAGIOS-Zyklus. Ihr gemeinsames Singen ist ein großes Gebet.


Der HAGIOS-Tag war auf Initiative der Augustiner und der ev. Reglergemeinde sowie des Katholischen Forums Thüringen zustande gekommen.

Helge Burggrabe realisierte bereits viele Kulturprojekte in großen Sakralräumen (Chartres, Kölner Dom, Dresdner Frauenkirche, Pantheon Rom, Hildesheim, Ostertage im Kloster Jerichow), unter anderem Oratorien für Solisten, Chöre und Orchester. Seine Fähigkeit, Menschen zum Singen zu bewegen, zeigt sich aber vor allem in seinem Projekt „HAGIOS – Gesungenes Gebet“.

Jeremias