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January

2020

Ist Gott erkennbar? - Argumente für Gott

Ist Gott erkennbar?

Mit diesem anspruchsvollen Thema, auf das jeder Denker irgendwann stoßen wird – es sei denn, er will es partout von vorne herein ausklammern – debütierte der Erfurter IT-Experte, Philosoph und Theologe Jürgen Schleizer im Januar im Regler-Gemeindehaus. Das große Auditorium gab ihm Recht, dass die Gottesfrage bis heute vielen unter den Nägeln brennt.

Jürgen Schleizer war in der Welt der Bits und Bytes zu Hause. Als IT-Experte und Schulungsleiter versuchte er, anderen zu erklären, was sie von einem neuen Programm erwarten durften – und was nicht.

Schon immer war Schleizer nicht nur naturwissenschaftlich fit, sondern gleichzeitig leidenschaftlicher Philosoph und Theologe: „Der real existierende Sozialismus hat mich dazu gezwungen, alles, was behauptet wird, zu hinterfragen. Ich wollte verstehen und den Dingen auf den Grund gehen, um mir selbst eine Meinung bilden zu können. Früher oder später muss man sich dann auch der Gottesfrage stellen – in intellektueller Redlichkeit!“

Argumente für Gott wurden zu allen Zeiten gesucht und in „Gottesbeweisen“ zusammengestellt. Dass der letzte Beweis freilich nicht erbracht werden kann, sondern eigene Erfahrungen für die Wahrheitsfindung unabdingbar sind, wurde auch an diesem Abend klar.

Schleizer konnte seinen Zuhörern aber klar machen: Auch die Physik und andere Naturwissenschaften sind auf Hypothesen angewiesen, deren Richtigkeit noch lange nicht bewiesen ist.  



Jeremias

12

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January

2020

Kirche kritisch im Blick

Vielfalt leben trotz/gegen/mit katholischer Sexualmoral


Neben Janosch Roggel und Petra Dankova war auch Br. Damian Link OSA zu Gast bei einem Podium zur katholischen Sexualmoral in der Katholischen Hochschulgemeinde Würzburg. Nach dem KHG-Gottesdienst am Sonntag Abend folgten etwa 50 Hörer*innen dem Podiumsgespräch und bereicherten die Diskussion mit kritischen Fragen, eigenen Erfahrungen und Überlegungen. Die Moderatorinnen führten anhand der Themen "Homosexualität" und "Gender" durch den Abend. Der Diskussionsabend fand gegen 22.00 Uhr seinen Abschluss.


Bruder Damian OSA

7

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January

2020

Mit den Sternsingern in der Thüringer Staatskanzlei und den Ministerien

Sternsingeraktion des Päpstlichen Kindermissionswerkes und des BDKJ

MP Bodo Ramelow begrüßt die Könige aus Thüringen - äh: aus dem Morgenland!

Gut 100 Kinder besuchten zum neuen Jahr die Thüringer Staatskanzlei, wo sie von Ministerpräsident Bodo Ramelow herzlich begrüßt wurden. Der Landesvater würdigte das große Ebgagement der Kinder für Frieden und Projekte im Beispielland Libanon. Mehr dazu auf der Homepage der Sternsinger: https://www.sternsinger.de/

Bruder Jeremias war als BDKJ-Präses im Hintergrund mit dabei. Franziskaner-Bruder Johannes vom Hülfensberg begleitete eine Gruppe aus dem Eichsfeld. Hier ein paar Eindrücke in Fotos.

Anschließend gab es im Barocksaal süße Leckereien und Getränke für die Kinder und ihre Begleiter.
Innungsmeister Lobenstein hatte sogar eine Dreikönigstorte gebacken - die schnell gegessen war.

Nach dem Termin in der Staatskanzlei ging es noch mit je einer Gruppe von Sternsingern zum Landtag und den Ministerien: u.a. zum Ministerium für Migration, Justiz, und Verbraucherschutz, wo Staatssekretär Sebastian von Ammon die Kinder begrüßte.

Im Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz begrüßten
Staatssekretär von Ammon und seine Mitarbeiter die Kinder.

Jeremias

24

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December

2019

Weihnachten - die Andersmacht Gottes

Predigt zur Christmette 2019 in der Reglerkiche Erfurt


Liebe Schwestern, liebe Brüder,

wir Menschen brauchen andere Zeiten wie Weihnachten. Immer mehr verschwinden die Rituale in unserer Zeit. Weihnachten und alle Feste im Kirchenjahr zeigen uns, wie wichtig wiederkehrende vertraute Rituale für unsere menschlicheEntwicklung sind. Und unsere Entwicklung hört nie auf, auch wenn wir erwachsen sind oder schon eine ganze Weile länger zurückblicken können auf das Leben mit seinen Höhenflügen und Talfahrten. Die Ich-Werdung, sagt der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung, hört nie auf: Unser Begehren hört nie auf, nein, das Licht unseres Begehrens, Wünschens und Wollens darf nicht erlöschen. Weihnachten, die Christmette, ist uns ein Ritual. Und Rituale stabilisieren unser Leben. Rituale dienen dazu, dass wir Menschen uns im Unbehausten zu Hause fühlen können. Rituale helfen uns, uns in der Welt besser zurecht zu finden und häuslich einzurichten. Ein Ritual holt uns wieder etwas zurück, nämlich das, was wir schon kennen – in unserem Fall, dass Gott einer von uns geworden ist, dass er bei uns ist.

An Weihnachten, an einem gesellschaftlich hoch idealisierten Fest der Familie, der Liebe und des Friedens, wird auch das besonders ins Licht gerückt, was an mir, an unseren Beziehungen brüchig, fragil und verwundet ist. Manche spüren, dass so besinnlich und friedvoll Weihnachten doch gar nicht ist, müssen Weihnachten sogar alleine verbringen. Weihnachten hat für alle Menschen ein Potential die Welt zu verändern. Es verweist auf die Andersmacht Gottes: Er ist in den Kleinen stark, die Verwundeten und Gebrochenen sind durchlässig für Sein Licht und leuchten für uns. Imzerbrechlichsten und hilflosesten Säugetier, als menschliches Baby, wird Gott zum Bruder mitten unter uns, einer von uns. Mit Karl Rahner können wir sagen: „An Weihnachten fing der zu sterben an, dessen Sterben die Geburt unseres ewigen Lebens war“.

Betrachten wir das Kind im Stall von Bethlehem, das Kind in den kargen und unwirtlichen Ställen unseres Herzens. Was hat es uns zu sagen? Was hat es Dir und mir zu sagen? Dass Gott als Kind zu uns kommt, zeigt uns doch, dass eine jede und ein jeder von uns diesem Kind Mutter und Vater, Tochter und Bruder sein kann. Es zeigt uns aber auch die mütterliche und väterliche Seite Gottes, dass eine jede und ein jeder von uns bereits jetzt Sein sind, Seine Tochter und Sein Sohn, dass wir Seine Kinder, Seine Menschen sind und ER uns ein liebender Vater und eine sorgende Mutter. Wieder möchte ich mit Rahner zu Ihnen und Euch sprechen: „Wenn wir sagen: Es ist Weihnacht, dann sagen wir: Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort im fleischgewordenen Wort in die Welt hineingesagt, ein Wort, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann […] und dieses Wort heißt: Ich liebe Dich, Du Welt und Du Mensch […] ich bin da“.

"Und das Wort ist Fleisch geworden..." (Joh 1,14)

An Weihnachten wiederholt Gott jährlich sein Beziehungsangebot an uns; zeigt uns, dass ER uns Vater, Mutter und Kind sein möchte. Eine jede und ein jeder kann jedes Jahr neu für sich herausfinden, was sie oder er diesem Gott dieses Mal sein möchte: Heute, wenn ER sich mir in die karge Krippe meines Herzens als verwundbares Baby legt, darf ich mir erneut bewusst machen, dass ich ihm Sohn sein, und dass ich ihm auch Vater werden kann.

Vielleicht ist es für Sie und Euch eine Provokation, wenn Karl Rahner in seinerTheologie der Weihnachtsfeier nur eine einzige Empfehlung gibt: „Habe den Mut, allein zu sein“. Rahner fordert uns auf, das Wagnis des Alleinseins auf uns zu nehmen. Alleinsein, eine oft auch schmerzliche Erfahrung, die viele Menschen dieser Tage erleben, sicher auch einige von uns, die wir hier versammelt sind. Jene, die diese Erfahrung des Alleinseins kennen und aushalten können, haben etwas Großes zu verschenken: „... ein sanftes Herz, ein tapfer gefaßtes Herz, ein leise zärtliches Herz“ – so Rahner – sie sind fähig zur Liebe. Rahner will uns damit sagen: Wir kommen an unserem Ich nicht vorbei. Es gibt eine Unumgänglichkeit des eigenen Ichs. „Habe den Mut, allein zu sein!“

Weihnachten, gerade weil es so viel um Familie, um Friede und Freude geht, kann uns helfen, dass wir einen Rückzug zu uns selbst wagen, um uns von diesem Rückzug aus eine Erfahrung zu erschließen, die durch nichts, außer durch den Rückzug selber vorgegeben ist. Jemand, der Alleinsein wagt, der sich zurück zieht, erwartet etwas, erwartet jemanden, er erwartet im radikal gewonnenen Abstand in die Nähe dessen zu kommen, der alles trägt. Im bewusst erfahrenen Alleinsein löst sich der Mensch von Beziehungen und Verstrickungen der Welt ein stückweit heraus, ja er schält sich heraus, um für das offen zu sein, was alles Endliche und Verwundbare trägt.

Gott kommt als Mensch auf uns Menschen zu. In der Geburt, in der Menschwerdung zeigt sich für jeden Menschen wie sehr Gott auf ihn, auf Sie und auf Dich persönlich bezogen ist. In der göttlichen Auszeichnung des Neugeborenen tritt der unendliche Wert des Individuums hervor, der in der später von Jesus gelebten Lehre eine Bedeutung bis heute hat: Ein Individuum zieht Individuen zur freiwilligen Nachfolge heran. Und in allem wirkt die Hoffnung auf den Sinn eines Geschehens, das niemand wirklich versteht. Ich muss adventlich gelernt haben, dass die eigene Zerbrochenheit, die  Leere der Enttäuschung, des Misserfolgs, der Verlassenheit, wenn man Ohren des Glaubens hat, erfüllt ist von der ewigen Zusage Gottes, in derer nicht dieses oder jenes, was uns gefiele, zusagt, sondern überschwänglich alles in einem: sich selbst, den  liebenden und vergebenden, den (auf)richtenden Gott! „Dass die Unendlichkeit Gottes menschliche Enge, die Seligkeit die tödliche Trauer der Erde, das Leben den Tod annahm, das ist die unwahrscheinlichste Wahrheit. Aber sie nur – dieses finstere Licht des Glaubens – macht unsere Nächte hell, sie allein macht heilige Nächte! Dann zieht Gott in unsere Herzen ein. Dann machen wir wirklich die Türen unseres Herzens auf.“ Was sagt uns dieser Gott durch seine menschliche Geburt? Was sagt dieser Gott heute in dieser Stunde zu Dir? Was sagt dieser Gott heute in dieser Stunde zu Dir?

Der Herrnhuter Stern in Regler.

Bruder Damian OSA

24

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December

2019

nach Karl Rahner: Von der stillen Weihnacht unseres Herzens

Meditation nach der Kommunion

Die Regler-Krippe.

„Ich bin da, ich bin bei dir. Ich bin deine Zeit. Ich bin die Düsterkeit deines Alltags, warum willst du sie nicht tragen?

Ich weine deine Tränen – weine deine mir, mein Kind.

Ich bin deine Freude, fürchte nicht, froh zu sein, denn seit ich geweint habe, ist die Freude die bessere Lebenshaltung als die Angst und die Trauer derer, die meinen, keine Hoffnung zu haben.

Ich bin die Ausweglosigkeit deiner Wege, wo du nicht mehr weiter weißt, da bist du, törichtes Kind, schon bei mir angelangt und merkst es nicht.

Ich bin in deiner Angst, denn ich habe sie mitgelitten.

Ich bin in dem Kerker deiner Endlichkeit, denn meine Liebe hat mich zu deinem Gefangenen gemacht.

Wenn Deine Rechnung nicht aufgeht, siehe ich bin der ungelöste Rest, und ich weiß, dass dieser Rest, der dich zur Verzweiflung bringen will, in Wahrheit meine Liebe ist, die du noch nicht begreifst.

Ich bin in Deiner Not, denn ich habe sie erlitten und sie ist jetzt verwandelt, aber nicht ausgetilgt aus meinem menschlichen Herzen.

Ich bin in deinen tiefsten Abstürzen, denn ich habe heute angefangen, abzusteigen in Deine Abgründe.

Ich bin in deinem Tod, denn heute begann ich mit dir zu sterben, da ich geboren wurde.

Seit ich Dein Bruder wurde, bist Du mir so nahe, wie ich mir selber bin.

Christi Geburt: Ausschnitt aus dem Regler-Altar.

Ich bin da.

Ich gehe nicht mehr von dieser Welt weg, wenn Du mich jetzt auch nicht siehst.

Ich verlasse dich und deine Welt nicht.

Wenn Du, armer Mensch, Weihnachten feierst, dann sag zu allem, was da ist und was du bist, nur das eine – sag es mir: Du bist da.

Du bist gekommen. Du bist in alles gekommen.

Selbst in meine Seele.

Selbst hinter den Trotz meiner Bosheit, die sich nicht verzeihen lassen will.

Mensch, sag nur das eine, dann ist auch für Dich Weihnachten, sag nur: Du bist da.

Nein, sag nichts.

Ich bin da.

Und meine Liebe ist seitdem unbesieglich.

Ich bin da.

[…] Weihnachten. Zündet die Kerzen an. Sie haben mehr recht als alle Finsternis.“

Rahner, Karl (2019), Von der stillen Weihnacht unseres Herzens, Mainz, Matthias-Grünewald-Verlag.