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December

2018

"Wann reißt der Himmel auf?" (Silbermond) - 2 Jahre Kooperation Augustiner - Ev. Reglergemeinde Erfurt

Wann reißt der Himmel auf?“, fragte Silbermond am 1. Advent die ökumenische Gemeinde in der Reglerkirche. „Ist nicht irgendwo da draußen 'n bisschen Glück für mich?“

Br. Jeremias spricht das Tagesgebet.

Am 1. Advent 2016 feierte die Reglergemeinde mit uns Augustinern und denen, die sich uns verbunden wissen, erstmals in der Reglerkirche gemeinsam Gottesdienst. Unsere Kooperation wurde damit besiegelt. In den zurückliegenden zwei Jahren sind wir noch mehr zusammengewachsen. Wir öffnen uns mehr und mehr füreinander in unserer Arbeit und unserem Leben - und bleiben doch wir selbst.

Wann reißt der Himmel auf?“ - Vielleicht ist unsere ökumenische Gemeinschaft ein Stück offener Himmel?

Predigt für den 1. Advent 2018: „Himmel auf!“

Wenn wir singen: O Heiland reiß den Himmel auf, oder wann reißt der Himmel auf, könnte vor unserem inneren Auge eine Vorsituation erscheinen. Wie sieht die Welt aus, wenn der Himmel nicht aufgerissen ist: dunkel, ohne Sonne, trübe, müde machend, vielleicht durch das geringe Licht Anlass für Depressio­nen. Der Blick richtet sich auf das Dunkle, auf die Not und Angst, wie in dem Lied von Silbermond be­schrieben. Eine Welt, in der man das Gefühl hat, dass das Licht für mich nicht mehr richtig scheint. Aber wir brauchen  das Licht zum Leben.

Br. Jeremias

Irgendwie habe ich derzeit besonders viele seelsorgliche Gespräche über einen Verlust, Krankheit oder Ängste, über zerbrochene Beziehungen und Unsicherheit, wie es beruflich weitergehen soll. Man hat manchmal den Eindruck, als suchten solche schweren Lasten die Gesellschaft anderer schwerer Lasten, und es reißt gar nicht ab. „O Heiland, reiß den Himmel auf!“, möchte ich beten für alle diese Menschen. Schicke dein Licht zu uns, oder noch besser: Komm selbst und befreie uns!

Pfarrerin Lipski

O Heiland, reiß den Himmel auf und steig herab, bitten wir. Das hört sich so mächtig und stark an. Man sieht Gottes gewaltige Hand, die alles zerreißt, was in uns dunkel ist.

Unser Heiland ist Jesus Christus. ER ist herab gestiegen zu uns.

Aber Jesus kommt nicht mit Gewalt und großem Getöse. „Siehe, dein König kommt sanftmütig zu dir,er reitet auf einem Esel“. Dieses Evangelium, das wir immer am 1.Advent vorlesen, spricht von Jesus, dem König und Sohn Gottes, der ganz bewusst demütig und völlig wehrlos zu den Menschen kommt, ohne Machtanspruch. Nur auf einem Esel. Ein Friedenskönig.

Br. Jeremias

Nur ein Esel? So halbwüchsig wie er ist, taugt er kaum für Triumphzüge. Mit ihm kann man nicht Schau­laufen: „Schaut her! Ich habe alles im Griff! Jetzt geht’s nur noch nach vorne und aufwärts!“ Nur ein Esel. Ein Tier für den Alltag der Bauern, damals im Heiligen Land, zur Zeit Jesu. Geduldig schleppt er die Lasten, schleppt tagaus-tagein alles, was man auf seinen Rücken legt. Aber: Es ist der Esel, dieser All­tags-gängige und Alltags-taugliche, der den Herrn nach Jerusalem hineinträgt.

Mehr alltagstauglich als außerordentlich sind auch manche Situationen, in denen uns der Himmel aufzu­gehen scheint. Da bekommt die schwarze Decke über uns einen Riss: Gottes Nähe wird spürbar.

Pfarrerin Lipski

Ja, ein schönes Bild: Die schwarze Decke bekommt einen Riss. Das Licht wird sichtbar. Mitten in unserem Leben.

Br. Jeremias und Pfarrerin Gabriele Lipski bei der Dialogpredigt.

Lassen Sie mich zwei Beispiele aus meinem beruflichen Leben erzählen, wo das geschehen ist. Licht ist: Dunkles ist hell geworden, der Himmel ist aufgerissen:

1. Beispiel:

Einige Zeit lang hatte eine Frau aus der Gemeinde mit eini­gen Dingen, die ich vielleicht ungeschickt ge­sagt und getan habe, Schwierigkeiten.Sie fühlte sich durch mich nicht richtig verstanden. Wir beide lit­ten unter der Situation und hatten bittere Gedanken, wenn wir an einander dachten. Dann haben wir mehrfach miteinander gesprochen – nicht gleich ging dabei der Himmel auf. Die Gespräche waren  zu­nächst mühsam. Kränkungen wurden benannt und muss­ten verkraftet werden. Aber nach einer gewis­sen Zeit des gemeinsamen Ringens um Verständnis, konnten wir die Dinge, die zwischen uns standen, bereinigen, ablegen. Jede ist der anderen ein Stück entgegen gekommen und wir haben gelernt, freund-schaftlich und wertschätzend aufeinander zu schauen. Für mich ging da der Himmel auf!

„Lasst uns ablegen Werke und Gedanken der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes“, wurde in der Epistel heute vorgelesen. Die Werke des Lichtes sind die freund­lich und sehen Gutes im Anderen. Immer, wo das ge­schieht, handeln wir im Geiste Jesu Christi, der auf einem Esel in Sanftmut zu uns kommt. Und es reißt der Himmel auf. Gottes Licht wird sichtbar.

2. Beispiel

Junge Gemeindepädagogen von einer Hochschule aus Sachsen sind vor 2 Monaten mit zwei ihrer Pro­fessoren zu uns in die Gemeinde gekommen und haben darum gebe­ten, etwas über unsere ökumeni­sche Kooperation zu hö­ren. Jakob und ich erzählten ihnen von unserem Gedanken, dass es viel wichtiger ist  miteinander auf dem Weg zu sein und die eigenen konfessionellen Grenzen durchlässig zu machen, als sich bewusst abzugrenzen.

Wir werden oft be­sucht und sollen über die Ökumene unserer Gemein­den erzählen. Aber wenn wir das erzählen, wird uns oftgesagt, dass wir doch nur Einzelexemplare sind. Exoten in der christlichen Welt. Wir tun etwas, was manche ganz schön finden. Ein bisschen lassen wir uns bestaunen. Und dann hören wir am Ende. „Das ist wirklich interessant, was Sie hier machen. Aber geht doch an der kirchlichen Wirklich­keit vorbei. So weit sind die Kirchen eigentlich noch nicht. Wir müssen uns Schritt für Schritt annähern und dürfen da­bei keinen Schritt auslassen. Es wird noch sehr lange dau­ern, ehe unsere Kirchen auf diese Weise zur sich vollstän­dig anerkennenden Ökumene bereit sind.“ Das hören wir immer wieder. Und nehmen es zur Kenntnis. Ich bin dabei immer etwas traurig. „Schade, dass die anderen es nicht versuchen.“

Fürbitten

Am Ende des Gespräches mit den angehenden Gemeinde-Pädagogen habe ich die jungen Leutegefragt, was ihr eigener wesentlicher Gedanke sei, wenn sie an ihre zukünftige Arbeit in den Gemeinden den­ken. Eine junge Frau meldet sich zu Wort und sagt:„Ich möchte es ganz ge­nauso machen wie Sie. Ich möchte Grenzen überwinden und Frieden schaffen, zum Beispiel indem unterschiedliche Konfessionen miteinander den Glauben weitergeben und Frieden leben. Vielleicht können wir damit auch kirchen­fremde Menschen beeindrucken – weil wir einen Friedens­weg gehen, über Grenzen hinweg.“

Für mich, liebeSchwestern und Brüder, ist bei dieser Ant­wort ein Stück Himmel aufgerissen. Diese jun­gen Men­schen, die voller Begeisterung in ihrer Berufsvorbereitung sind, nehmen sich an unserem öku­menischen Weg ein Beispiel. Wenn fremde Menschen erkennen, dass durch die Ökumene zwischen
ka­tholischen Mönchen und einer ev. Gemeinde Kirche neu gebaut wird, dann sind wir auf dem Weg mit Jesus Christus, der Versöhnung gebracht hat, zu den Menschen. Dann reißt der Heiland den Himmel auf.

Br. Jeremias

Mir  kommt hier wieder der Esel in den Sinn. Auch unsere Ökumene erschien manchem Mitchristen in dieser Stadt als Eselei: Das kann doch nie und nimmer funktionieren! Das wird im Alltag ständig Proble­me geben! Die Unterschiede sind doch viel zu groß! - Aber gerade im Alltag gibt es die wenigsten Pro­bleme. Wir teilen uns manche Aufgaben in Kirche, Gemeindehaus und Gelände. Wir bringen unsere Be­dürfnisse und unsere Fähigkeiten ins Spiel, besorgen Kerzen oder Blumenschmuck, Aufsteller und Plaka­te, bewerben unsere gemeinsamen Veranstaltungen, schließen die Kirche auf und zu, laufen bei Alarm los und gucken, besprechen alles, was organisiert werden muss (und mehr) in den verschiedenen Gre­mien,
besuchen gegenseitig immer wieder die Gottesdienste, auch die
verschiedenen Musiken – und beten täglich im Mittagsgebet in ökumenischer Eintracht. Wie oft sitze ich hier in der Kirche oder im Ge­meindehaus oder in unserem schönen Kirchgarten und denke: Hier ist doch der Himmel schon offen! - Am wertvollsten ist mir diese alltäglich-treue Eselei, die unsere Ökumene vielleicht am stärksten aus­macht.Und ich glaube: Auf solchen Eseln reitet der Herr offenbar gerne!

Pfarrerin Lipski

Wir säen die Samen, wir können nur kleine Schritte gehen. Der Herr reißt den Himmel auf. Der Herr lässt wachsen und gedeihen, so dass die Samen beginnen zu grünen und die Menschheit getröstet wird.

Liebe Gemeinde, Gott ist bei uns. Kommt ganz lei­se in unseren Alltag. Auch wenn Sie heute Kummer haben und Sorge, so ist es doch ein großes Geschenk, dass Sie wis­sen dürfen, Gott geht mit mir auch durch schwere Zeiten. Er ist dennoch ein Licht in mei­nem Herzen. Er reißt den Himmel immer wieder auf. Oft ganz still und leise. Oft in kleinen Alltagsdingen. Der Herr reißt den Himmel auf und lässt uns das Licht wieder erkennen. Das Licht sei­ner Liebe und Zuwen­dung. Amen.

Am Nachmittag führten Regler–Singschar & Regler–Instrumentalkreis unter der Leitung von Kantor Johannes Häußler „Die Geburt Christi" auf. Mit bekannten Advents- und Weihnachtsliedern, mit Solisten und Instrumentalbegleitung (Oboe, Streichorchester und Orgel), mit Kinderchor und integrierten Gemeindeliedern schuf Heinrich von Herzogenberg eine Vertonung der Weihnachtsgeschichte.

Jeremias

13

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November

2018

Ordensallerheiligen und Augustins Geburtstag am 13. November

Ein Vortrag über den„Gnadenstreit“ anhand einer ungewöhnlichen Korrespondenz

19.30 Uhr | Gemeindesaal | Br.Jeremias OSA


Wie gelingt menschliches Leben? Was kann oder muss ein Mensch tun, um gottgefällig zu leben? Inwiefern ist der Mensch von Gott gefordert – wo überfordert? Was kann ein Mensch Gott anbieten, der über ihn richten wird? Ist Gott mehr zu lieben oder mehr zu fürchten? Was bewirkt Gottes Gnade?


Die junge Römerin Demetrias, Spross der Anicier, eines hochadeligen Geschlechts allerersten Ranges,schlägt um die Jahreswende 413/414 eine glänzende Hochzeit aus. Stattdessen nimmt sie den Jungfrauenschleier, um fortan ein asketisch-keusches Leben zu führen. Damals stand die Welt Kopf: Viele sahen im Entschluss der jungen Frau die alten römischen Tugenden wiederaufleben – nun aber veredelt durch den christlichen Glauben.


Mutter und Großmutter der Demetrias, beide fromme Witwen, nutzen ihre Verbindungen und bitten die besten Theologen der Zeit um Briefe und kleine Handbüchlein zur Unterweisung im geistlichen Leben. Hieronymus, Pelagius und Augustinus greifen zur Feder - drei der wichtigsten Vertreter des sogenannten „Gnadenstreits“, der die junge Kirche noch lange (bis heute?) in Atem hielt. Unter anderem Fragen, wie sie oben angerissen wurden.


Doch schon in der Korrespondenz an und um Demetrias zeigen sich die fundamentalen Unterschiede – vor allem wie sie von Augustinus und Pelagius vertreten werden: eine Spiritualität der Liebe gegen eine „Spiritualität“ der Leistung.

Jeremias

11

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October

2018

Erntedank & Gemeindefest

Am 7. Oktober konnten wir ökumenisch ein wunderbares Erntedankfest und die Taufe zweier Kinder feiern, verbunden mit dem Gemeindefest in und vor der Kirche.


Nach dem Gottesdienst gab es Führungen durch das Gemeindehaus, dessen Renovierung ansteht. Viele nutzten die Gelegenheit, auch unsere Wohnräume anzusehen.

Nachmittags begeisterte eine Puppenspielerin mit dem norddeutschen Märchen von der „Regentrude“ Jung und Alt.



Zum Abschluss konnten wir ein feierliches Konzert für Orgel und Trompete genießen.

Jeremias

26

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September

2018

Hagios-Tag in Regler

„Hier bin ich! Hier bin ich! Hineni!“, hallt es in vielfacher Wiederholung mehrstimmig durch den Hohen Chor der Erfurter Reglerkirche. Die Antwort auf Gottes Anruf braucht eine Klarheit, wie sie im deutschen „Hier bin ich!“ zum Ausdruck kommt. Sie braucht aber auch die offene Weite, die eher im hebräischen „hineni“ anklingt. Da sein, ganz präsent im Hier und Jetzt, offen für den Ruf Gottes. Mit einem Mal bin ich zurückversetzt an die Stationen meines Lebensweges, an denen ich in der Liturgie aufgerufen wurde: bei der Profess und bei den Weihen. „Hier bin ich!“, das war jeweils meine Antwort. Jetzt ist es wieder meine Antwort. HAGIOS - Gesungenes Gebet.


HAGIOS - griechisch für „heilig“- nennt Helge Burggrabe sein Mitsingprojekt. „Es gibt keine falschen Töne“, ermutigt er die Teilnehmer am nachmittäglichen Workshop und später auch alle, die sich zum Liederabend einfinden. Schon nach kurzer Zeit ist die Reglerkirche voll von Musik. Man mag kaum glauben, dass die Menschen, die hier miteinander singen, dies noch niemals vorher miteinander taten und auch bei weitem nicht alle geübte Sänger sind.

Der Komponist und Flötist Burggrabe hat in der Tradition von Klöstern und Gemeinschaften wie Taizé einen Liederzyklus entwickelt. Kurze Texte und Rufe werden mit eingängigen Melodien unterlegt und in steter Wiederholung meditiert. Die Überleitungen Burggrabes helfen dabei, in eine Haltung der Offenheit und des Gebets zu kommen. Das Heilige beginnt in uns zu schwingen, die Instrumente der eigenen Körper und das „architektonische Instrument“ der Reglerkirche stimulieren einander und lassen die Tiefe des Franz von Assisi zugeschriebenen Wortes erahnen: „Herr, mache mich zu einem Instrument deines Friedens“.

Ein Wort aus der koptischen Kirche hat Helge Burggrabe ebenfalls vertont: „Lass deinen Mund stille sein, dann spricht dein Herz. Lass dein Herz stille sein, dann spricht Gott.“ Im Laufe des Sonntags spüren die Teilnehmer den Gehalt dieses und anderer Rufe aus dem HAGIOS-Zyklus. Ihr gemeinsames Singen ist ein großes Gebet.


Der HAGIOS-Tag war auf Initiative der Augustiner und der ev. Reglergemeinde sowie des Katholischen Forums Thüringen zustande gekommen.

Helge Burggrabe realisierte bereits viele Kulturprojekte in großen Sakralräumen (Chartres, Kölner Dom, Dresdner Frauenkirche, Pantheon Rom, Hildesheim, Ostertage im Kloster Jerichow), unter anderem Oratorien für Solisten, Chöre und Orchester. Seine Fähigkeit, Menschen zum Singen zu bewegen, zeigt sich aber vor allem in seinem Projekt „HAGIOS – Gesungenes Gebet“.

Jeremias

8

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September

2018

Ökumenische Fußwallfahrt nach Schmira

Eine kleine Gruppe machte sich auf den Weg von Regler zur Pilgerkirche nach Schmira vor den Toren Erfurts. Unter ihnen auch eine „echte“ Pilgerin: Sophie, die schon in Görlitz gestartet war und an diesem Tag noch bis Gotha laufen wollte. Mit dem Pilgersegen im Gepäck ging der Weg zunächst durch die Innenstadt.

Verschiedene Impulse von Meister Eckhart begleiteten die Pilger, beginnend mit der Zusage: „Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie er dich findet, so nimmt und empfängt er dich, nicht als das, was du gewesen, sondern als das, was du jetzt bist“ (RdU).

Eckharts Worte konnten die Fußpilger auf dem Weg bedenken oder sich mit anderen unterwegs darüber austauschen. An den Stationen Predigerkirche - der ehemaligen Klosterkirche Meister Eckharts - , Brunnen am Gothaer Platz und am Stadtrand konnte jeweils ein neues Wort gezogen werden.

Der Weg nach Schmira folgt dem Jakobsweg, dem großen europäischen Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Immer wieder weisen die Pilgermuscheln oder Wegweiser darauf hin, z.B. „2940 km über Konstanz nach Santiago de Compostela“. Anwohner des Pilgerwegs haben die Schilder liebevoll gestaltet.

In Schmira angekommen erwarteten Frauen aus dem Pilgerkirchen-Team mit Gemeindepädagogin Friederike Hempel die Gruppe. Unter den Bäumen im Kirchhof  hatten sie Tische und Bänke bereitet. Nach einer kurzen Andacht stärkten sich die Pilger mit einem Mitbring-Picknick im Schatten der Bäume. Eine Jakobspilgerin aus den Niederlanden, die an diesem Tag in der Kirche übernachtete, schloss sich gerne an und erzählte von ihren Wegerfahrungen.

Der Pilgertag endete mit der gesungenen Vesper zum Fest „Mariae Geburt“. Ein Teil der Pilger lief den Weg nach Erfurt auch zu Fuß wieder zurück.

Jeremias

26

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August

2018

Einkehrtag Monika

„Ich strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt“ Mit diesem Augustinus-Zitat aus den Confessiones (conf IX, 10) lud Dr. Gabriele Ziegler (Münsterschwarzach) zum Einkehrtag am Fest der hl. Monika, der Mutter des hl. Ordensvaters Augustinus.

Tatsächlich haben wir uns erst einmal ausgestreckt. Wirklich. Körperlich. Ich stehe aufrecht und strecke mich aus, mitten im Chor der Reglerkirche.

Ach ja, diese Kirche macht mich weit, zieht mich nach oben und birgt mich doch so, dass ich innerlich zur Ruhe komme. Der Raum tut mi­r gut...

Später schreiten wir noch einmal ganz von hinten das lange Kirchenschiff nach vorne: in voller Länge - an die 50 Meter, schreiten Stufe um Stufe empor zum Altar: ganz nahe an den prächtigen Regleraltar, dessen Goldgrund uns die Heiligen und den HERRN selbst wie im aufgeschlagenen Buch der Ewigkeit zeigen. Wir berühren den Altarstein und blicken nach oben – oder schließen die Augen. Die gekrönte Jungfrau Maria im Zentrum steht ebenfalls ganz aufrecht. Der HERR richtet auf...

„Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott. Denn ich werde ihm noch danken, meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.“ Der Doppelpsalm 42/43 begleitet uns durch den Tag. Er nährt die Zuversicht und erinnert mich an den aufrechten Gang.

Eine kleine Buchmalerei zeigt die Seele als menschliche Gestalt. Niedergeschlagen sitzt sie auf einem Berg: Das Kinn auf die Hand gestützt, zieht sie eine richtige Flunsche.Vor ihr ein Jüngling mit grünen Beinlingen. Er spielt die Laute. Das Lied des Lebens erklingt. Wird sich die Seele anstecken lassen, auf die Füße springen, mitsingen und tanzen? Wird sie sehen, dass um sie herum längst die Blüten blühen und frisches Grün ausgetrieben ist? Der junge Lautenspieler, Christus, ist scheinbar ganz in die Musik vertieft. Doch sein Fuß zeigt auf ein Wort: spes – Hoffnung!

„Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott. Denn ich werde ihm noch danken, meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.“

In der Mittagspause machen wir einen Abstecher zum Fischmarkt. Die fünf Sinne auf den Reliefs am Gildehaus laden ein, auch nach dem Herrn mit allen Sinnen zu suchen und nach seinen Spuren Ausschau zu halten. Nicht nur beim Einkehrtag.

Jeremias

25

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August

2018

Augustinus-Fest – gemeinsam!

Augustinus-Fest in Regler. Erstmals konnten wir das Fest des Ordensvaters und Kirchenlehrers sowie Kirchenpatrons der Reglerkirche (!) mit unseren evangelischen Schwestern und Brüdern gemeinsam feiern. Die Evangelische Reglergemeinde hatte auf ihren gewohnten Gottesdienst um 9.30 Uhr verzichtet. Viele feierten mit uns statt dessen die Messe um 13 Uhr in der vollbesetzten Reglerkirche.

Die musikalische Gestaltung übernahm das „Ökumenische Holzgebläse“ unter der Leitung von Ulrike Reimann, unterstützt von Ekkehart Fellner an der Orgel. Die Festpredigt hielt Pfarrer und Dechant Marcellus Klaus von der katholischen Innenstadtpfarrei St. Laurentius und brachte damit seine Verbundenheit mit uns Augustinern zum Ausdruck.

Anschließend gab es im Kirchgarten und Kreuzgang Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen oder Mürschter Klosterbier miteinander zu reden.

Um 16 Uhr gab Siegfried Fietz zusammen mit seinem Sohn Oliver ein grandioses Konzert, das vor allem von Liedern mit Augustinus-Worten geprägt war. Der Berliner Lyriker Marco Kunz hatte die Liedtexte verfasst und las sie nun auch selber während des Konzerts sowie im Anschluss daran im Rahmen einer kurzen Lesung. Außerdem war die Malerin Elke Albrecht anwesend, die zusammen mit Siegfried Fietz einen Bilderzyklus zu den Augustinus-Texten und -Liedern geschaffen hatte. Was wir hier erleben konnten, war Verkündigung pur! Das Glaubenszeugnis der Künstler, die Texte Augustins, die bis heute den Lebensnerv moderner Menschen berühren, die nach dem Wahren suchen – letztlich nach Gott –, eine Gemeinde, die einschwingt in die Kehrverse: eine ganz runde Sache eben!

Der Festtag endete mit der gesungenen Vesper im Hohen Chor der Reglerkirche.

Jeremias

6

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July

2018

Meister Eckhart. Eine Einführung.

Früher oder später stößt man in Erfurt unweigerlich auf ihn: den Dominikaner „Meister Eckhart“.

Er wurde vermutlich 1260 in der Ortschaft Hochheim (oder Tambach) im Thüringer Wald geboren, wurde Dominikaner, studierte in Paris und war lange Jahre Lehrer geistlichen Lebens für viele Menschen. Als Prior des Erfurter Predigerklosters wurde er schließlich aufgefordert, sich in Avignon für einige Sätze aus seinen Schriften zu rechtfertigen. Irgendwann in der ersten Jahreshälfte 1328 muss er in der Nähe der Papstresidenz wohl gestorben sein.

Eine Aura umgibt diesen Mann. Man sieht in ihm DEN Mystiker des hohen Mittelalters. Das macht ihn interessant. Aber ich muss zugeben: Was ich bisher über ihn gelesen habe, überfordert mich. In Erfurt pflegt die renommierte Meister-Eckhart-Gesellschaft sein Andenken. Aber ich fühle mich der Tiefe seiner Gedanken nicht gewachsen...

„Meister Eckhart für Dummies“. So etwas bräuchte ich vielleicht!

Zumindest: „Eine Einführung“. Der Einführungsvortrag am Freitag (Renate Morawietz, die einen guten Überblick über Eckarts Leben gibt), zwei „Workshops“ am Samstag (Dorothea Höck und die Ritaschwestern aus Würzburg, Sr. Carmen und Sr. Ursula) schlagen für mich und zahlreiche andere Teilnehmer die Schneise durch die Gedankenwelt des Mystikers.

Mir wird klar:

  1. Viele Menschen sind interessiert an Meister Eckhart. Vielleicht haben sie wie ich zu viel Respekt, sich mit ihm zu beschäftigen?
  2. Seine Worte sind nichts für hastige Leser. Es braucht Zeit, seine Worte zu meditieren.
  3. Nicht die Fülle macht satt, sondern das Verkosten der Worte (vgl. Ignatius von Loyola).

Worte Meister Eckharts, gesprochen im weiten Raum der Reglerkirche, wirken auf mich und erreichen mein Herz. Ich spüre mich hineingenommen in das göttliche Geheimnis, angeregt nach „mehr“ zu suchen... Die Fragen zulassen, nicht gleich schon Antworten „wissen“! Es berührt mich, dass meine Suche als Priester nicht unähnlich der Suche der anderen Menschen ist, die sich mit mir auf Eckharts Texte einlassen - gläubige wie „naturbelassene“ Sucher.

Am Nachmittag steht Eckharts Interpretation der Episode Lukas 10, 38-42 im Zentrum: Jesus kehrt bei Marta und Maria ein, zwei Schwestern, die mit ihm befreundet sind. Während Maria dem Herrn zu Füßen einfach zuhört, ist Marta ganz davon in Anspruch genommen, die Gäste zu bedienen.

Traditionell wird das Evangelium oft so gedeutet: Marta würde getadelt, weil sie die (bessere) „Kontemplation“ durch ihre Aktivität vernachlässige. Eckhart aber deutet – wie übrigens auch bereits bei Augustinus anklingt – die Intervention Martas beim Herrn anders: als Sorge, Maria könnte sich einrichten im (bloßen) Zuhören und darüber vergessen, dass auch die tätige Liebe zum Leben mit Gott gehöre. Marta ist da schon weiter: Ihr Herz ist fest beim Herrn, selbst wenn sie das „Süpplein“ für die Armen kocht.

Der Samstag schließt mit einem großen Highlight in der Predigerkirche, also der Klosterkirche Meister Eckharts: „Durch die Wüste zum Einen. Christliche trifft islamische Mystik“. Neben Eckhart kommt nun auch sein Zeitgenosse und Begründer des Sufismus Rumi aus Afghanistan bzw. der heutigen Türkei zu Wort.

Es verblüfft, wie die Gedanken dieser beiden Männer sich ähneln, die sich doch nie getroffen haben. Wer Gott sucht, der scheint ähnliche Wege geführt zu werden. Dabei kann auch Musik unterstützen, sei es ein Bach auf der Orgel oder die Klänge von syrischer Oud, türkischer Ney und Rebab. Und Pirusans Rezitation von Worten Rumis rühren mich, der ich eigentlich kein Wort verstehe, zu Tränen...

Jeremias