16

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May

2021

Ut unum sint (Joh 17,11b)

Predigt von Br. Jeremias am 7. Ostersonntag in der Erfurter Reglerkirche:
Einführung

+ Jesus Christus, der der auferstandene und erhöhte HERR, sei mit euch!

In der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten beten wir um das Kommen des Heiligen Geistes. Mit diesem Heiligen Geist ver­binden wir kühne Träume: Wir bitten darum, dass er das Ant­litz der Erde erneuern möge. Aber Vorsicht: Gottes Geist fängt damit an der wichtigsten Stelle an: beim Men­schen, bei uns selbst! Das ist uns verheißen. – Wollen wir das?

Der Heilige Geist kommt auf Menschen herab. In uns möge er bewirken, was heute dem Leben dient. Er selbst rühre unsere Hände, damit wir als Seine Mitarbei­ter des Angesicht der Erde in unserer Zeit erneuern.

Oft aber geben wir uns als Besserwisser: Als wüssten wir besser als Gott, was diese Erde braucht, was unsere Kir­chen brauchen und Gemeinden brauchen. Fürchten wir insge­heim, dass Gottes Geist neue Wege füh­ren könnte, die un­seren Vorstellungen so gar nicht entsprechen?

Sperren wir den Geist nicht ein! Töten wir Gottes Geist nicht in uns. Vertrauen wir uns IHM an. Er wird uns führen und leiten durch das Wort des Lebens! Geben wir dem Geist des HERRN bei uns selbst eine Chance.

Predigt

Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart“ (Joh17, 6a). So beginnt der Abschnitt, den wir heute als Evangelium ge­hört haben. Wir werden hineingenommen in das Gebet Jesu. Das ist höchst selten. Zwar sagen die Evangelisten überein­stim­mend, dass Jesus viel gebetet hat. Aber über den Inhalt seines Gebetes erfahren wir relativ wenig.

Die große Ausnahme ist das lange Gebet in Joh 14-17. Seit dem 16. Jahrhundert hat sich dafür der Begriff „Hohepriesterliches Ge­bet“ ausgeprägt. Jesus deutet seinen Opfertod an, wenn er sagt, dass er sich „heiligt“ für die Seinen, „damit auch sie in der Wahr­heit geheiligt sind“(Joh 17,19). Aber das scheint nicht der Schwer­punkt seines Gebetes zu sein.

Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart“. Das ist die knappste Zusammenfassung der Sendung Jesu. Vielleicht klingt das in unseren Ohren erst mal banal, denn Goethes Wort im Ohr, der „Name ist nur Schall und Rauch“ (vgl. Faust I,V. 3457) unter­schätzen wir leicht, worum es biblisch tatsächlich geht.

Denn für die Heilige Schrift gilt genau das Gegenteil. Der Name bezeich­net das tiefste Wesen. Die jüdische Glaubensgeschichte beginnt denn auch mit der Offenbarung des Namens Gottes am brennen­den Dornbusch. Gott stellt sich selbst vor als der, der „da ist und immer da sein wird“ (vgl Ex3,14).

Wer also den Namen kennt, weiß um das Wesen Gottes. Jesu Ver­kün­digung hat in unübertroffener und nicht zu übertreffender Weise Gottes Namen in diese Welt gestellt: IHN uns offenbart. Das geschah nicht wortreich; denn er selbst ist das Wort, das Mensch geworden ist. An Jesus Christus und in der Beziehung mit ihm entscheidet sich, ob Gottes Offenbarung bei uns ankommt. Denn „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15).

Jesu Wirken für die Menschen, seine völlige Pro-Existenz, sein Le­ben für uns, seine Passion für die Menschen sind Gottes Offen­ba­rung. Doch hat Jesu nicht nur gehandelt. Er hat gelitten und sich für Gott verausgabt bis zum Tod am Kreuz: In seiner völligen Passivität im Leiden, das er angenommen hat mit den Worten „Vater, […] nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe“ (Lk 22,42). Sein Kreuz wurde zum Magna Charta der Gottesoffenba­rung, ausgefertigt mit seinem Blut (vgl 2 Kor 3,3). Das letzte aber ist – Gott sei Dank – nicht der Tod Jesu, sondern sein Sieg: Gott hat ihn auferweckt von den Toten. – Das alles klingt an in Jesu Wort: „Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart“

Wie in den meisten Gebeten, die wir an Gott richten, spricht auch Jesus Bitten aus: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!“ (Joh 17, 11b) „Damit sie eins sind“, das ist offenbar DIE Bitte Jesu. Das Zeugnis seiner Jünger in der Welt wird verdunkelt wegen der Zer­strittenheit, die wir bis heute aufrechterhalten; wegen der Risse, an denen wir oft tatsächlich auch persönliche Schuld tragen.

Mit der Enzyklika „Utunum sint“ wollte Papst Johannes Paul II im Mai 1995 die Ökumene an der Schwelle zum 3. Jahrtausend vorantreiben. Er forderte u.a. dazu auf, über die Rolle des Petrus­amtes als Dienst an der Einheit zu diskutieren. – Der fünfte der „12 Leitsätze zur Zukunft einer aufgeschlossenen Kirche“1, welche die 12. Synode der EKD Anfang November 2020 verabschiedet hat, bekennt sich zur Stär­kung der Ökumene und zur gegen­sei­ti­genStellvertretung kirch­licher Arbeit vor Ort. – Und auch der dritte Ökumenische Kirchen­tag jetzt in Frankfurt (oder mehr noch digital) setzt Zeichen der Hoff­nung, dass am Ziel der Einheit festgehalten wird.

Wir können es uns nicht aussuchen, ob wir Ökumene wollen oder nicht. Sie ist und bleibt der beständige Auftrag Jesu Christi. Wenn wir in seinen Spuren unterwegs sein wollen, können wir nicht nach Gusto weglassen, was uns gerade – aus welchen Gründen auch immer – nicht in den Kram passt. ER, Christus, ist die Mitte. Ihm hat all unser Tun und Trachten zu dienen.

Aber auch das muss gesagt werden: Längst ist nicht wirklich Ökumene drin, wo sie groß draufsteht. Ökumene ist gemeinsames Hören auf Christus. Er ist die Mitte. An ihm gilt es immer wieder Maß zu nehmen. Ökumene ist damit nichts, was man verordnen oder planen kann, was in Gremien entschieden oder verhindert wird. Der Geist Gottes lässt sich nicht einsperren. Er bricht sich Bahn, wo Menschen sich um Christus versammeln und sich von seinem Geist führen lassen, Laien wie Amtsträger. Christus muss bestimmen, nicht wir! IHM allein gebührt Ehre und Macht! Lieber möchte ich das Wort Ökumene weglassen und auf Christus hören. Er soll mich und uns, alles, was unser Leben als Gemeinde aus­macht, prägen.

Es wird kaum möglich sein, genau zu definieren, wer auf Christus hört und wer nicht. Aber es gibt einige Kriterien, die Christus selbst nennt: „...damit sie meine Freude in Fülle in sich haben“ (V. 13c), sagt Jesus. Wo Gott ist, da ist Freude. Wer nur im Streit verharrt, der kann die Freude des Glaubens nicht leben. Es macht aber Freude, sich um Christus zu versammeln und ihn als Mitte zu wissen. Wo Gott ist, da ist Freude.

Ferner – und nun klingt ein Gegensatz an: „Die Welt hat sie (die Jünger) gehasst, weil sie nicht von der Welt sind“ (V. 14 und 16). Christen sind in dieser Welt und sie mischen sich ein. Doch niemals dürfen sie „von dieser Welt“ sein! Christen haben „Sauerteig“ zu sein, der die Welt, in der sie leben, veredelt. Nicht umgekehrt! Den „Sauerteig der Pharisäer“ (Mt 16,6.11 || Mk8,15 || Lk 12,1) gibt es freilich auch... Christen dürfen nicht tun, was alle tun! Bürgerlich angeglichenes Christentum ist Etiketten­schwindel!

Weiter: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Mt 7,6). Es geht letzten Endes nicht darum, wer argumentativ obenauf ist, wer das Sagen hat, wessen Kirchenbild sich durchsetzt. Am Ende wird an den Früchten sichtbar, wo Christi Geist wirkt.

Lassen wir uns von Gottes Geist leiten! In den Tagen vor dem Pfingstfest beten wir besonders um die Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit, und Gottesfurcht. Möge der HERR selbst uns eine Neugeburt seiner Kirche schenken: Als Gemeinschaft derer, die um ihn versammelt sind, die auf ihn hören und in seinem Geist das Antlitz der Erde mitgestalten. Amen.

1https://www.ekd.de/zwoelf-leitsaetze-zur-zukunft-einer-aufgeschlossenen-kirche-60102.htm

Meditation von D. Block

Schön zu leben, sage ich,
obwohl vieles dagegen spricht
Ich weiß...,
und wer wüsste nicht..

Schön zu leben, sage ich heute,
obwohl ich gestern anderer Meinung war,
und morgen.
Was soll’s

Schön zu leben,
auf unserem blauen Planeten,
in dieser Gegend,
zu dieser Zeit,
mit diesem umgrenzten Ich.

Schön zu leben
und den unvollkommenen Menschen zu lieben,
dessen Geheimnis zu beweisen ich mich schäme.

Schön zu leben,
weil es Dich gibt,
Nazarener,
und dein Manifest
der Hoffnung, an das ich glaube.

Bruder Jeremias OSA

13

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May

2021

"Durch Christus werden wir hinaufgezogen vor Gottes Herz" (Martin Luther)

"Durch Christus werden wir hinaufgezogen vor Gottes Herz" (Martin Luther)

Predigt zum Fest Christi Himmelfahrt von Pfarrerin Dorothea Höck, Erfurt

Musik: P. Pius Wegscheid OSA; Zelebrant | Schnitt: Br. Jeremias Kiesl OSA

Fotos: Steffi Krause, Br. Jeremias, freie Fotos -> Regler-Altar, Augustinerkirche zu Tolentino, Hans Süß von Kulmbach (16. Jhd.), ukrainische Ikone, Buchmalerei Westfalen (um 1360) u.a.

"Durch Christus werden wir hinaufgezogen vor Gottes Herz."

So fasst Martin Luther die Botschaft von Himmelfahrt zusammen. Für ihn ist Himmelfahrt ein zentrales Ereignis im christlichen Jahresfestkreis. Mir wollte bisher scheinen, es sei irgendwie nebensächlich. Die Lücke zwischen der Auferstehung an Ostern und der Geburt der Kirche mit der Herabsendung des Heiligen Geistes muss geschlossen werden – das geschieht zu Himmelfahrt.

Aber Luther verweist auf eine ganz zentrale Botschaft: „Durch Christus werden wir hinaufgezogen vor Gottes Herz“: Christus nimmt uns mit. Auch wenn die Jünger zurückbleiben und das Nachsehen haben, wie ihr Meisterin einer Wolke ihren Augen entschwindet.

Martin Luther setzt die christliche Heilsgeschichte in eine heitere Bilderwelt um. Siebeginnt mit dem leeren Himmel zu Weihnachten:

Da gab es einen Mann, der alles dafür tat, in den Himmel zu kommen: „So stieg er mit der Stufenleiter der Vollkommenheit immer höher empor, bis er eines Tages mit seinem Haupte in den Himmel ragte. Aber er war sehr enttäuscht: Der Himmel war dunkel, leer und kalt. Denn Gott lag auf Erden in einer Krippe.“1

Von Anbeginn versuchten Menschen in den Himmel zu gelangen: In der alten Welt stellte man sich den Ort Gottes räumlich über dem Firmament mit den Sternen vor, als einen Raum über dem sichtbaren Himmel. Diese Vorstellung ist überholt, aber wir verwenden ja auch immer Bildsprache, wenn wir von Gott sprechen und versuchen uns damit, seinem Geheimnis zu nähern. So sagen wir, dass der Mensch sich aufrichten muss, seinen Geist emporrichten, um Gott näher zu kommen.

Von Anbeginn wollten Menschen lieber selbst Gott sein, statt Gott Gott sein zu lassen. Deshalb bauten sie den Turm zu Babel. Heute versuchen Menschen auf alle erdenkliche Weise den Himmel zu stürmen, bis zur völligen Erschöpfung die Karriereleiter emporzuklimmen, ihre Bedeutung himmelhoch aufzublähen, möglichst viele Andere unter sich zu haben, um sie zu beherrschen. Doch je höher sie gelangen, um so dünner wird die Luft und schließlich landen sie in der Leere, im Nichts.

Denn: Der Himmel ist leer. Gott begab sich nach ganz unten, mit der Passion und seinem Sterben noch mehr in die Tiefe. Wir sprechen im Glaubensbekenntnis: Er ist hinabgestiegen in das Reich des Todes. Egal, wie tief ein Mensch fällt: Gott ist immer noch unter ihm.

Manche von Ihnen kennen die Darstellungen der Höllenfahrt Jesu in den Bil­dern der Orthodoxen Kirche: Der Gekreuzigte steigt in die Tiefe, um Adam und Eva, und damit alle Menschen aus der Finsternis hinauf in die Höhe zu reißen.

Zu Himmelfahrt kehrt Christus zu Gott zurück. Jetzt ist der Himmel nicht mehr leer. Mit Christus ist der Mensch in den Himmel aufgenommen

Luther2nimmt unsere Geschichte ganz wörtlich:

Da ist einmal das Wunderwerk zu bedenken, daß der Herr in so wunderbarer Weise von seinen Jüngern in die Höhe auffährt, wie ein Vogel, und verschwindet in den Lüften, das ist, er fährt so hoch, daß seine Jünger ihn nicht mehr sehen können. Denn in den Lüftenfahren ist den Menschen ein ungewöhnliches, ja, unmögliches Ding. Der Leib eines Menschen hat von Natur die Art, wie ein Stein oder ein anderes schweres Ding.“

Als ich das zum ersten Mal las, dachte ich: Nun ja, Luther war eben noch wundergläubiger als wir heute. Damals glaubte man noch an eine leibliche Auferstehung – Was aber, wenn uns die Himmelfahrts-Geschichte gerade das am allerwenigsten Denk- und Vorstellbare vor Augen führt? Dass wir als diejenigen, die wir sind, von unserer Schwere erlöst werden – von unserer leiblichen, unserer Seelen- und Gedankenschwere? Wir leben ja in einer in vielerlei Hinsicht schweren Zeit: auch unsere Krankheiten sind Krankheiten der Schwere: Die Schwermut, die niedergedrückte Seele, unser im wörtlichen und übertragenen Sinne schwere Leib: „Bruder Esel“ nannte ihn Luther, störrisch und leider uns nicht zu Willen; schließlich unsere schweren Gedanken, mit denen wir uns verstricken und verheddern, je mehr wir nach einem Ausweg suchen.

Gestern sprachen wir im Bibelgespräch über die Himmelfahrts-Darstellung auf unserem Regleraltar und trugen einige schöne Ideen dazu zusammen. Ich lade Sie ein, sich nach diesem Gottesdienst die Tafel am Regleraltar genau zu betrachten.

Regleraltar (Erfurt, um 1465: 2. Seite): Himmelfahrt

Wir sehen die Jünger mit Maria zu Füßen des davonschwebenden Christus. Wie es Lukas berichtet, segnet Jesus die Seinen, sie knieen und beten ihn an. Wir sehen seine Wundmale. Auf dem Stein unter Jesu Füßen sind seine Fußabdrücke tief eingeprägt. Auch Jesus hatte Erdenschwere, er hinterließ Spuren, er war Mensch wie wir. Lutherbeschreibt das ganz naturalistisch:

Nun hat aber Christus nach seiner Auferstehung einen rechten Leib, der Fleisch und Bein hat, …. und sich greifen läßt; und dennoch ist es ein solcher Leib, der …in die Höhe kann. …: Den hindert der Stein am Grabe nicht; die verschlossene Tür auch nicht, er wischt in einem Augenblick hindurch, daß wir nicht wissen können, wie er dahindurch kommt.“

Zwei Blickrichtungen werden uns gewiesen: Mit Christus hinauf zu Gott –und dann doch zurück, zu seinen Fußabdrücken, den greifbaren Spuren seines Wirkens. Sie erteilen uns einen Auftrag.

Im1. Petrusbrief wird auf die Fußabdrücke verwiesen, als Mahnung an uns, in der Nachfolge Jesu zu bleiben: „Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen“ (1 Petr 2,21 - vestigia Christi sequi - so lautet der bischöfliche Wahlsprich unseres Bischofs em. Joachim Wanke).

Himmelfahrt ist also nicht einfach nur eine Wundergeschichte. Sie beschreibt den Abschied für diejenigen, die bis dahin ihren Meister in unmittelbarer Nähe wussten – auch in den 40 Tagen nach Christi Auferstehung.

Jesus hatte sie vorbereitet auf eine Zeit ohne seine sichtbare und fühlbare Gegenwart. Davor saßen sie ein letztes Mal zusammen. Letzte Fragen kamen auf:

Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er antwortete: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird“ (Apg 1,6-8a).

Was wäre denn, wenn wir Zeit und Stunde wüssten? Wir würden aufhören, Wartende zu sein. Wir würden unserer Sehnsucht keine Gestalt mehr geben und abstumpfen. In der Ungewissheit bleiben wir wach. Die Vaterunser-Bitte „Dein Reich komme“ gibt unserem Leben eine Richtung.

Die Jüngerinnen und Jünger müssen erwachsen werden und sich ihres Meisters würdig erweisen. Sie sollen die gute Botschaft ausbreiten und das Reich Gottes verkünden bis an die Enden der Welt. Sie werden zu Zeugen berufen, zu Martyres:  Zeugenschaft würde nicht leicht werden, den Einsatz ihres Lebens fordern. Jesus gibt ihnen alle Wegzehrung dafür: „Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden.“ „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“

Und schließlich sind da noch die zwei Männer in weißen Gewändern, die den Hinterherschauenden sagen: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“

Über dem Auftrag steht also eine Verheißung.

Konkret wird er in den paulinischen Briefen, wo sich der Apostel auf die Himmelfahrt bezieht. Paulus ist Berufungsberater. Es gibt nur einen Weg, sich der Berufung durch Christus würdig zu erweisen, der beruht auf dem Willen zum Frieden und dem Verzicht darauf, mit anderen in Konkurrenz um die gelungensten Höhenflüge zu treten. Als Berufungsberater lehrt uns Paulus, dass anscheinende Schwächen wie Demut und Nachgiebigkeit in Wirklichkeit Stärken sind, die unserem Glauben Ausdauer und Kraft verleihen.

So schreibt er an die Gemeinde in Ephesus: „Ich ermahne euch, …dass ihr der Berufung würdig lebt, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens zu wahren: …  damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch das trügerische Würfeln der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen“ (vgl. Eph 4,1-14). Das sind tröstliche und mahnende Worte.

"Durch Christus werden wir hinaufgezogen vor Gottes Herz." Wir bekennen es in jeder Eucharistiefeier: Erhebet Eure Herzen – Wir haben sie beim Herrn.“

Die Fußspuren Christi sind der lebendige Beweis für seine Gegenwart auf Erden. Es sind menschliche Spuren. Damit ist auch unser Glaube geerdet und nicht irgendwo im Wolkenkuckucksheim unterwegs. Wir sind berufen, wie Christus Fußabdrücke auf der Erde zu hinterlassen, seinen Spuren nachzugehen. Und gleichzeitig sollen wir unseren Blick dorthin richten, wo Jesus hingegangen ist und auf uns wartet, und dabei ein wenig von unserer Erdenschwere lassen.

Luther: "Christus will uns immerdar durch sich hinaufziehen, des Vaters Herz und seine Freundlichkeit zeigen, sodass wir uns nicht vor ihm fürchten, sondern fröhlich ansehen und mit aller Zuversicht vor ihn treten."

Amen.

1 Luther (aus dem anderen Advent 2009, 25. 12.)

2 Martin Luther, Predigt über Luk. 24, 50-53, Alle Predigtauszüge aus: https://glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:l:luther:h:luther-luk._24_50-53

Christi Himmelfahrt. Dom zu Limburg.

Novalis: Christi Himmelfahrt

Es gibt so bange Zeiten,
Es gibt so trüben Mut,
Wo alles sich von weitem
Gespenstisch zeigen tut.

Es schleichen wilde Schrecken
So ängstlich leise her,
Und tiefe Nächte decken
Die Seele zentnerschwer.

Die sichern Stützen schwanken,
Kein Halt der Zuversicht;
Der Wirbel der Gedanken
Gehorcht dem Willen nicht.

Der Wahnsinn naht und locket
Unwiderstehlich hin.
Der Puls des Lebens stocket,
Und stumpf ist jeder Sinn.

Wer hat das Kreuz erhoben
Zum Schutz für jedes Herz?
Wer wohnt im Himmel droben,
Und hilft in Angst und Schmerz?

Geh zu dem Wunderstamme,
Gib stiller Sehnsucht Raum,
Aus ihm geht eine Flamme
Und zehrt den schweren Traum.

Ein Engel zieht dich wieder
Gerettet auf den Strand,
Und schaust voll Freuden nieder
In das gelobte Land."

(In: Mit einem Engel durchs Jahr, Hrsg.: W. Erk. Radius-Vla, 2011. S 260)

Dorothea Höck

9

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May

2021

"Bleibt in meiner Liebe" - 6. Ostersonntag B * 2021

Predigt von Br. Jeremias OSA am 8. und 9. Mai 2021.

Bruder Jeremias OSA

1

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May

2021

"Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben" (Joh 15,5)

Die Predigt vom 5. Ostersonntag am 1. Mai 2021:

Meine Gedanken zu Johannes 15, 1-8 – von Ulrike Groß

ich lese dieses Gleichnis

vom Weinstock und den Reben

und

sofort ist sie da

diese vertraute Stimme in mir

eindringlich flüstert sie mir ein:

mehr Frucht bringen!

hörst du?

Es ist nicht genug!

du sollst mehr Frucht bringen!

Also:

mehr anstrengen!

Mehr leisten!

Mehr Zeit und Kraft investieren!

los – treibt sie mich an:

noch mehr anstrengen!

noch mehr leisten!

noch mehr Zeit und Kraft investieren!

ACH

seufze ich laut

ich fühle mich so kraftlos

nach einer langen Weile

nehme ich die Bibel noch einmal zur Hand

lese dieses Gleichnis ein zweites Mal

ACH

staunend entdecke ich

da steht ja was ganz Anderes

es geht ja gar nicht um mehr Anstrengung

es geht ja gar nicht um mehr Leistung

es geht ja ums Bleiben und Geschehen lassen

ACH

seufze ich

ACH

darum geht’s:

mit DIR verbunden sein und verbunden bleiben

in DIR bleiben, um Frucht zu bringen

mich von DIR reinigen zu lassen, um mehr Frucht zu bringen

mehr Frucht bringen

durchs Bleiben

mehr Frucht bringen

durchs Geschehen lassen

ACH

mehr Frucht bringen geschieht!

mehr Frucht bringen geschieht durch DICH!

Erleichtert atme ich auf

was für eine tröstliche Zusage

was für ein starkes Bild vom Frucht bringen

ACH

lass dieses Bild stärker sein

stärker

als die Stimme in mir

ACH

ich will bleiben

bleiben in DIR

(aus: https://www.spurensuche.info/wp-spurensuche/portfolio/weinstock-und-reben/)

Bruder Jeremias OSA

24

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April

2021

Predigt vom 4. Ostersonntag: Jesus, der gute Hirte

Predigt von Christoph Kuchinke am 4. Ostersonntag.

Wirdanken dir Gott
für den neuen Weg
den du uns eröffnet hast
durch einen guten Hirten
wir wären nicht drauf gekommen
wir hätten uns was anderes ausgedacht


wir danken dir
gott
für den wink
den du uns gegeben hast
in jesus von nazaret
und an allen kreuzungen
des lebens
hast du uns einen neuen wink gegeben


wir danken dir
gott
dass du uns manchmal
den allzu sicheren boden
unter den füßen weggenommen hast


wir danken dir
gott
für die durststrecken
für die hungerstrecken
die uns hungrig
und durstig machen
nach dir
unserem wahren ziel


wir danken dir
gott
für so vieles
gegen das wir uns aufbäumen
für so vieles
das uns quer kam
und das dann doch unser weg wurde
unser richtiger weg
nicht der weg,
den wir wollten
aber der weg
den wir sollten


weg
kreuzweg
heilsweg
dein weg

wilhelm wilms

Christoph Kuchinke