
Der Ausgangsgedanke der Installation ist eine unvorstellbare Tragödie: Im Oktober 2013 sind vor Lampedusa 366 Menschen auf der Flucht ertrunken. 366 Mal zerstörte Hoffnung / 366 Mal Todesangst / 366 Mal Sterben / 366 Mal Todeskampf / 366 Mal Leid / 366 Mal Verzweiflung / 366 Namen / 366 Gesichter / 366 Menschen / 366 Mal Hinterbliebene
Obwohl fast täglich Berichte von grausam gescheiterten Hoffnungen auf gefährlichen Flüchtlingsrouten zu lesen sind, bleibt die Zahl bei 366 stehen – sie wird zum Symbol für eine immer eisiger werdende menschliche Kälte und Empathielosigkeit.Ansammlungen von Portrait-Stelen werden zu ‚Gedenkorten‘, weisen aber zugleich über das Gedenken hinaus ins Leben. In Augenhöhe mit den Gesichtern sind die Stelen-Felder begehbar und implizieren existentielle Fragen:
Was ist Leben? Welchen Sinn hat es? Was bedeutet es, zu leben und Respekt vor dem gleichen Recht aller zu haben?
Die Portraits stehen für Leben und sind keine wirklichkeitsgetreuen Abbilder realer Personen, sondern Symbole für Menschen. Leben wird zum Leitgedanken der Installation. Über bleiernes Grau und Dunkelheit hinweg scheint Buntheit auf: Das Bild des Elends wandelt sich über die Symbolkraft von Dunkelheit, Licht und Farbe in ein Bild für Lebendigkeit und die Bedeutung jedes einzelnen Menschen – ohne das Leid zu vergessen oder gar zu verharmlosen.
























Der Weg der Kunstinstallation führt durch drei Viertel Erfurts mit ganz unterschiedlichem Charakter – mitten unter die Menschen. Den Anfang setzt der Eingangsbereich der Reglerkirche im bunten Leben eines Geschäftsviertels auf dem Weg vom Bahnhof in die Innenstadt. Zentral und doch etwas versteckt, bildet die Brunnenkirche im Fischersand das Zentrum der Ausstellung. Dieser ruhige Ort lädt zwischen den im Kirchenraum verteilten Stelen zum meditativen Nach- und Weiterdenken ein und zugleich zu Begegnung und Austausch. Von St. Severi auf dem Domberg weitet sich dann der Blick über die historische und moderne Stadt in die Welt, verbindet Menschen über Zeiten und Grenzen hinweg, widergespiegelt in unzähligen Gesichtern auf einer Plane im Kirchenraum:Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch.


wohnort winterhausen | wo sich ein langsames heimischwerden anbahnt | obwohl schon immer dort | diplom magister lernen lehren lieben vermitteln | zentrales lebensthema kunst | aber sowie dieter hacker vorschlägt | die kunst muss dem bürger im nacken sitzen - wie der löwe dem gaul